Einfach sein verführt

Joachim Schneider über das „Seduction of Spirit“ Seminar in Dublin 2009 mit Deepak Chopra

Wann  haben Sie sich das letzte Mal verführen lassen?

Beim Verführungsspiel verkleiden wir uns mit reizvollen Gewändern, betörenden Gerüchen und bezaubernden Worten,  mit der Absicht, die Verkleidungshüllen so bald wie möglich auszuziehen.

„Spirit“ verkleidet sich auch, um uns zu verführen.  Das sagen jedenfalls Deepak Chopra und David Simon in ihrem „Seduction of Spirit“ Seminar in Dublin, dem mit  530 Teilnehmern aus 37 Ländern zahlenmäßig bislang größten seit Einführung dieses Kurses 1998.

In den mit Bildern des Tibetischen T’angka Malers Romio Shrestha dekorierten Räumen ließen sich  die Besucher von Chopras und Simons Worten, ayurvedisch-kulinarischen Genüssen, den Klängen von Donnna D’Cruz, Urklangmeditation mit Sutras und Yoga in den Bann des Spirit ziehen.  An der für die Öffentlichkeit zugänglichen Friedensveranstaltung der von Chopra gegründeten Alliance for a New Humanity nahmen darüber hinaus ca. 1500  Personen teil (Ein Bericht über diese Veranstaltung hier)

Für Chopra, der die ganze Woche lang Blue Jeans und T-Shirts  mit farblich passenden Socken trug,  sind alle Menschen ein als Körper und Gemüt verkleideter Spirit.  Spirit ist die Quelle der Kreativität und Weisheit, ein Feld grenzenloser Möglichkeiten. Chopras Brille reflektiert wie Neonlicht, als er sagt, dass der Spirit, wie in einem Film, in der Lücke zwischen den aufeinander folgenden Bildern ist.  (Hier ein U-tube Video  – New World-  mit dieser Brille zu einem anderen Thema)

 

Spirit ist einfach sein.  Wenn wir einfach sind, kommen alle zur Ruhe.

Einfach sein bezieht alle mit ein, ohne Mauern, und ist deshalb heilig.  Einfach sein ist die höchste Form von Intelligenz, sagt Vedanta, die Philosophie der Veden, der jahrtausende alten indischen Schriften, auf die sich Chopra beruft.

 

„Mühelose Spontanität ist der schnellste Weg sich zu verwirklichen.“

Deepak Chopra

 

Einfach sein erreicht alles, was wir möchten. Wer einfach ist, fühlt Liebe, denkt kreativ und handelt im Interesse des größeren guten. Einfach sein ist mühelos spontan, sagt Chopra, der schon einen Tag vor dem Seminar stundenlang mit Laptop auf dem Schoß, in der Hotellobby saß und mit Kursteilnehmern fachsimpelte. Einfach sein heißt, das was auf mich zu kommt zu erlauben,  mühelos auf Erkenntnisse und Umstände zu antworten und das, was ich möchte, in mein Leben zu lassen.

 

Mit Gewalt  oder Druck Ziele verfolgen,  Akzeptanzsuche,  oder  so tun als ginge es einem gut, wenn dem nicht so ist, sind  zerstörerische und krankmachende Versuche, das zu bekommen was man will.  Sucht, Zynismus, Rückzug und Perfektionismus sind die Folge, wenn man seine Bedürfnisse auf diesem mühevollen Weg nicht erfüllen kann.  Als Spezies wird die Menschheit nur dann überleben, wenn sie einfach sein kultiviert und  Darwins Prinzip des „Überlebens der Tauglichsten“  ( „Survival of the Fittest“)  mit dem  „Überleben der Weisesten“ („Survival of the Wisest“) ersetzt.

 

Wenn wir alles was war, unser Ego,  das „Böse“, alles Widersprüchliche in uns  annehmen und frei von der Vergangenheit das Ungewisse umarmen, können wir gerade mithilfe archetypischer Energien außergewöhnliches wahr machen.  Unzufriedenheit ist die Voraussetzung für die Schaffung von Neuem.

 

“Alles, was ich bin, entsteht mit meinen Gedanken.  Mit meinen Gedanken erschaffe ich meine Welt.  Was ich denke, passiert.“   DhammaPada

 

Wie wir auf unsere jetzigen Umstände antworten, ist eine Frage des Bewusstseins. Das Bewusstsein eines Menschen bestimmt, ob er keine Wahl sieht oder grenzenlose Möglichkeiten. Das Bewusstsein erschafft die Wirklichkeit eines Menschen. Es gibt keine Wirklichkeit da draußen. Nicht der Sprechende erzeugt den Klang eines Wortes, sondern der Hörende mit seinem Nervensystem und seinen Ohren. Das Bild eines Sonnenuntergangs ist nicht im Gehirn zu finden.  Das Gehirn verwandelt elektromechanische Impulse in die Welt, die wir erleben.  Wirklichkeit  ist eine Ansammlung an Ideen und  individuell gewählter Wahrnehmungen,  ein selbst geschaffener Traum.  Dinge und Gedanken sind ein und dasselbe. Das Leben ist die Geschichte, die wir uns immer wieder erzählen, bis wir sie glauben.

 

„Die Erfahrung eins zu sein ist glückseliger als die Erfahrung zwei zu sein.“  David Simon

 

Der einengende Fehler des Intellekts besteht darin, sich als eine  getrennte Person oder Rolle zu sehen anstatt als Spirit.  Laut David Simon, dem medizinischen Direktor des Chopra Centers und Neurologen, sind  wir nicht „biochemische Säcke“  sondern entstehen aus dem Zusammenspiel von Körper, Gefühlen, Gedanken, Umfeld und den Menschen mit denen wir leben.  Wir sind untrennbar in einem Netz von Beziehungen miteinander verbunden. Auch wenn meine Nase zehn mal größer ist als Deine, wie Hafiz, der Sufidichter  in einem seiner Gedichte sagt, so sind wir doch alle eins. Dies ist „meins“ und das ist „deins“ ist eine Illusion.  Entweder übernehmen wir die Verantwortung für alles oder für nichts. Wir können gar nichts besitzen, da alles einmal weg ist. Festhalten schafft Leiden. Nur, weil Du einen Hut auf einen Kinostuhl legst, ist es noch lange nicht Dein Stuhl.

 

Spirit drückt sich in Form von Leichtigkeit, Ausgelassenheit und Fröhlichkeit aus.  Schon Deepaks Lehrer Maharishi Mahesh Yogi sagte „Trau nie einem ernsten Menschen“. Auf die Frage von  Steve Colbert, einem bekannten Amerikanischen Komödianten , ob er ein Prophet sein,  antwortet Deepak  mit „Ja“, solange das Wort mit „P R O F I T“ geschrieben ist.  (Mit Bezug auf seine Finanzen erklärt Chopra später im Seminar, dass er bis zum letzten Jahr das Chopra Center mit seinen eigenen Bucheinkünften finanziell unterstützen musste.)

Auch In dem kürzlich erschienenen Film „The Love Guru“  von „Austin Powers“ Regisseur Mike Myers, lässt sich Deepak Chopra auf die Schippe nehmen. Auf die Aussage, dass für Hindufundamentalisten der Film ein Ärgernis sei, erwidert er, „Wenn Glaube von einem Witz erschüttert werden kann, ist das ein Zeichen von Unsicherheit.“ Siehe das Interview dazu  mit Donna D’Cruz Teil 1Teil2 und den Artikel  in Contactmusic.com.

Die Tatsache, dass Jesus im neuen Testament kein einziges Mal als lachend dargestellt wird, hat Chopra zu  seinem  neuesten Buch  “Why is God laughing?” (Warum lacht Gott?)  angeregt, das er auch in der „Late Night“ Comedy Show mit Conan O’Brian Juni 2008 bespricht. Seine Antwort ist ..weil er den Witz,  den dieses Universum darstellt, kapiert hat“.

 

Um sich von der Leichtigkeit des Spirit verführen zu lassen, wurde an jedem Seminartag eines von Chopras „Sieben geistigen Gesetze des Erfolges“  besprochen und mit dazu passenden Vorträgen, Yogaübungen, wahlweise auch  im Stuhl, und einer auf Urklangmeditation aufbauenden Sutrenmeditation von Deepak Chopra integriert.  Bei der Urklangmeditation wiederholen Meditierende die individuelle Schwingung, die das Universum zurzeit der Geburt eines Menschen gesummt hat.  Sutras im Sanskrit sind „Leitfäden“ der Erkenntnis.

 

„Wenn ich Ihnen nur einen Rat geben kann, dann ist das zu atmen.“

David Greenspan

 

David Greenspan, der Geschäftsführer des Chopra Centers unterrichtete einen Tag vor Seminarbeginn Urklangmeditation für die 300 Leute, die noch keinen Urklang hatten und  sprach über Ayurvedische Körpertypen. Greenspan  regte mit seinem Satz „What’s your Dosha , Baby?“, (dem gleichnamigen Buch von Lisa Mary Coffey),   Waylon Belding und Joachim Schneider zu einem Lied an, das mit vorgetragen von Bianca Berg beim Festbankett uraufgeführt wurde.   Auf Doshaspace.com kann man Gleichgesinnte über ihren Ayurvedischen Körpertyp kennenlernen.  Aufgrund des großen Interesses der Kursteilnehmer an den Seminarinhalten soll nächstes Jahr  sogar eine Chopra Center-Lehrerzertifizierung für Urklangmeditation, Yoga und Ayurveda in London stattfinden.

 

“Unsere Absicht war es nie einen Persönlichkeitskult zu schaffen sondern eine Weisheitskultur.“  David Simon

 

In seinem Abschiedwort empfiehlt Simon den Kursteilnehmern  einfach die Augen zu schließen, um gut nach Hause zu kommen. Den minutelangen stehenden Ovationen der beeindruckten Zuhörer am Ende des Seminars entziehen sich die Referenten.

 

Herzliche Grüße,

 

Joachim Schneider

 

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