Stress, das kleine, graue Monster

Foto: Annelie Mackinnon

„Du kannst Stress nicht dadurch vermeiden, dass Du Drucksituationen aus dem Weg gehst.“ Deepak Chopra.

Auf die Frage, wie man sich erleuchtet, sagte einst ein berühmter Guru „Entspann Dich“.  In dieser einfachen und albern klingenden Antwort verbirgt sich ein Schatz an Weisheit. Der Körper ist nicht nur der Mittelpunkt unseres leiblichen Wohlbefindens, sondern auch unserer geistigen und spirituellen Weiterentwicklung. Der Körper ist der Ort, an dem Gefühle, Gedanken und Empfindungen zusammen kommen. Wenn jemand sich nicht wohlfühlt, spricht die Intelligenz des Körpers eine klarere Sprache als der Verstand oder das Herz. Sich wohlfühlen heißt, dass Körper, Geist und Umfeld eins sind. Wenn wir uns gestresst fühlen, schadet dies nicht nur unserer Gesundheit. Es lenkt uns auch von der Seele und dem Sinn unseres Lebens ab.

Das Monster, das keiner sehen will

Bereits eine kaum spürbare Anspannung, wie viele sie beim Autofahren oder am Arbeitsplatz erleben, kann einen scheinbar funktionstüchtigen Körper im Laufe der Zeit gesundheitlich schädigen. Wie erhöhter Blutdruck verstärkt Stress den Druck auf die Zellwände und verschleißt die Blutgefäße langfristig. Besonders unangenehme und sich wiederholende Ereignisse, über die wir keine Kontrolle haben, zermürben die Abwehrkräfte. In einem klassischen Experiment wurden Mäuse einem geringen elektrischen Schock ausgesetzt, der zwar nicht stark genug war, sie zu verletzen, sie aber aufschreckte. Auch wenn der jeweils einzelne Schock kaum bedeutsam schien, wurden die in unregelmäßigen Abständen leicht geschockten Tiere krank und starben bald danach.

Erinnerungen tun mehr weh, als tatsächliche Erlebnisse

Nicht nur eine Vielzahl an kleinen Störfaktoren nervt. Extreme Erfahrungen wie Krieg oder Misshandlung können den Hormonspiegel des Körpers langfristig verändern und einen Menschen in die Knie zwingen. Oft leiden die Betroffenen ein Leben lang mehr unter der Erinnerung als unter dem Erlebnis selber. Wen wundern da noch Forschungsergebnisse, die daraufhin deuten, dass schon Die Angst davor, seinen Job zu verlieren, genauso so stressen kann, wie wenn dies tatsächlich passiert.

Was ist Stress?

Auch was herkömmlich als angenehm empfunden wird, wie eine Überraschungsfeier oder Urlaub, kann Stress auslösen. Der ungarische Forscher Hans Selye nannte dies „Eustress“.  Selye hat das Wort „Stress“ ursprünglich geprägt,  als er erhöhte Cortisolwerte und Magen- und Darmgeschwüre in gestressten Mäusen feststellte. „Distress“ ist der Stress, der aufgrund unangenehmer Ereignisse eintritt, wie wenn jemand unter Artilleriefeuer steht  oder seinen Job verliert. Ob angenehm oder unangenehm, für Selye bedeutete mehr Druck auf den Körper mehr Stress und weniger Druck weniger Stress.

Der Mensch ist kein Auto

Abgesehen vom Einfahren, nutzt sich ein Auto ab, je mehr man es bewegt und dadurch Druck auf die Fahrzeugteile ausübt.  Je mehr sich hingegen ein Mensch bewegt, je mehr er seine Muskeln verwendet, ohne sich zu überanstrengen, desto stärker wird er.  Gehirn, Herz und Körper verkümmern, wenn wir sie nicht nutzen.

Zuhause bleiben und sich die Decke über den Kopf ziehen, ist daher nicht die Lösung, um sich Druck zu entziehen. Stress kann nicht dadurch vermieden werden, daß man Herausforderungen aus dem Weg geht. Ein abgeschottetes Leben wird bereits durch die kleinste Aufregung aufgeschreckt. Es braucht nur ein aufwühlendes Ereignis wie der Tod eines Babys, um auf Jahre hinweg seelische Wunden davonzutragen.

Warum bleibt Stress an einem kleben?

In früheren Zeiten wurden Menschen von zu hohen körperlichen Anforderungen aufgerieben. Sie waren Wind und Wetter ausgesetzt und  litten unter Hunger und fehlender Hygiene. Der Stress von heute tritt im Berufsleben und im Umgang mit anderen auf und ist gedanklicher und emotionaler Art. Düstere Aussichten über die Zukunft, eine Erinnerung oder ein Trauma lässt uns nicht mehr los, bleibt haften und führt zu Angst, Abhängigkeiten, zwanghaftem Verhalten oder Depressionen.

Die moderne Medizin kann solche Beschwerden bislang nicht richtig heilen, weil deren Verursacher nicht messbar sind. Niemand ist von einer Sucht infiziert. Es gibt keinen Impfstoff oder eine Operation für Depression. Versuche, Stress mit Tabletten zu kurieren, bringen vielleicht Linderung, behandeln aber nur Symptome.

Verlass das Schlachtfeld

Stress tritt nur ein, wenn wir das, was jetzt passiert, nicht akzeptieren. Wenn es keine Unterbrechungen  mehr gibt und wir die Gegenwart so annehmen, wie sie ist, gibt es auch keinen Stress mehr.  Den Körper beobachten, auf ihn hören und ihn bewegen ist persönliche Weiterentwicklung. Schon der Yogameister Iyengar sagte, dass der Atem der König des Geistes ist. Was sagt die innere Stimme? Fühlst Du Dich geliebt und wertvoll? Spürst Du eine Verbindung zu Dir, Deiner Quelle, zu Gott?  Viele Menschen ringen mit ihrem inneren Frieden. Mit sich selber im Krieg sein, immer wieder dasselbe zu  tun, sich abzuwerten, sich Vorwürfe zu machen oder anderen die Schuld geben, lässt uns leiden. Ein gutes Leben ist mit sich im Reinen.

Meditationen wie Urklangmeditation, körperliche Bewegung wie Yoga und Atemübungen gleichen nicht nur Blutdruck und Körper aus, sondern sind auch ein Zugang zur Quelle der grenzenlosen Möglichkeiten und Ruhe.

Wenn es einen Bewusstseinszustand gibt, der uns vom Stress  und von der Vergangenheit befreit, sollte es unser allererstes Ziel sein, diesen Zustand zu suchen. Die Lösung für Stress ist in Dir und wartet darauf entdeckt zu werden.

Buchtipps von Deepak Chopra:  „Gott kennen lernen“ ,  „Das Buch der Geheimnisse, und „Reinventing the Body, Resurrecting the Soul“ als praktische Anwendung oder Joachim Schneiders Eindrücke dazu in  „Jung und gesund bleiben“

 

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