David wants to fly

Joachim Schneider über David Sievekinds kritischen und informativen Film über die Transzendentale Meditation Maharishi Yogis und Deepak Chopras ehemalige Rolle in der „TM-Bewegung“. Urklangmeditation ist von der TM-Bewegung vollkommen unabhängig.

In diesem Film schildert David Sieveking seine persönlichen Erfahrungen mit der „TM“ Bewegung und einem ihrer berühmtesten Fürsprecher, dem Regisseur David Lynch. Da Maharishi, der ehemalige Meditationslehrer von Deepak Chopra, in dem Film nicht gut wegkommt und auch die Wirksamkeit von Mantrenmeditation  bezweifelt wird, möchte ich Ihnen meine Sicht der Dinge zu diesem Thema darstellen.

Maharishi hat Chopra dazu bewegt, ein Ayurvedischer Arzt  und Meditationslehrer zu werden

Auch wenn ich, außer einer Einführungsveranstaltung nie an einem TM-Kurs teilgenommen habe, empfinde ich es als ein großes Glück, dass Maharishi Yogi Deepak Chopra unterrichtet hat, weil dies Chopra die Möglichkeit gab, das hilfreiche Wissen über Meditation und Ayurveda auf seine Art an viele Menschen weiterzugeben.

Deepak Chopra begann Transzendentale Meditation 1981 und begegnete Maharishi Yogi  1985 zum ersten Mal persönlich in Boston, wo Maharishi ihn dafür gewinnen konnte, ein Ayurvedischer Arzt und Bewusstseinslehrer zu werden.  Zu der Zeit praktizierte Chopra als Endikronologe nur westliche Medizin und war jedenfalls, bevor er zu meditieren begann, Kettenraucher und arbeitete 16 Stunden am Tag.

In einem vor ein paar Jahren gegebenen Interview sieht Chopra im Austausch mit Maharishi und seiner Meditationspraktik das Saatgut für seine ersten Bestseller. Besonders die Art und Weise, wie Maharishi Projekte anging, fand Chopra bewundernswert. Auf die Frage, wo das Geld für all die großen Pläne herkommen soll, sagte Maharishi „Das Geld kommt von dort, wo es gerade ist“.

1993 verließ Chopra TM

Chopra war mehrere Jahre lang Maharishis erster Stellvertreter in der TM Bewegung und sie unterhielten sich oft stundenlang über Bewusstseinsthemen. 1993 verließ Deepak Chopra allerdings die TM, weil er sich in seinem kreativen Ausdruck eingeengt fühlte. Er wollte nicht zu Maharishis Ashram ziehen und Bücher erst dann veröffentlichen dürfen, nachdem Maharishi diese genehmigt hatte. 1993 gründete Chopra dann das Chopra Center, um seine eigenen Weiterentwicklungsprogramme anzubieten.

2008, nachdem Maharishi starb, sagte Chopra folgendes über ihn:

„Ich hatte keinen Zweifel, nachdem ich seine Meditation praktizierte, dass Maharishi, wie sein Name schon sagt, ein großer Weiser, ein Kenner und Lehrer der Wirklichkeit war. Er musste auch nicht mein Guru sein. Maharishi lehrte, dass wir auf der Suche nach einem, der uns erleuchtet, nicht über unsere innere Türschwelle gehen müssen. Gibt es ein größeres Geschenk an Wissen?“

War Maharishi kein Schüler von Guru Dev?

Im Film wird der Eindruck erweckt, dass Maharishi kein Schüler des allseits verehrten  „Guru Dev“ Swami Brahmanda Saraswati war, sondern nur dessen Buchhalter.  Laut Swami Svarupananda, einem anderen Schüler von Guru Dev, hat Guru Dev Maharishi nie als spirituellen Lehrer oder Yogi unterwiesen und fügt hinzu, dass ein wirklicher Guru für Erleuchtung kein Geld nimmt. Svarupananda wird im Film als Shankaracharya von Jyotir Math, einer Kleinstadt in Nordindien vorgestellt. Der Shankaracharya von Jyotir Math,  auch Jyoshi Math genannt, ist der Abt eines der 4 großen von Adi Shankara* gegründeten Klöster und Nachfolger von Guru Dev, der 1953 verstorben ist.

Wer ist der wirkliche Shankaracharya von Yjotir Math?

Was im Film nicht erwähnt wird, ist, dass Svarupananda einer von mittlerweile drei Äbten ist, die den Ehrentitel Shankaracharya von Yjotir Math für sich beanspruchen und dass es einen Zwist darüber gibt, wer der wahre Shankaracharya von Yjotir Math ist. Swami Vasudevananda ist der andere Mönch, der seit 1980 von seinen Anhängern zum Shankaracharya von Jyotir Math ernannt wurde, nachdem Swāmī Śāntānanda Sarasvatī, der aufgrund eines umstrittenen Testaments 1953 zu Guru Devs Nachfolger erklärt wurde, zurücktrat. 1993 kam noch ein weiterer Mönch hinzu, der den Titel des Shankaracharya beansprucht. Derzeit gibt es zwei Klöster in Yjotir Math, eins von Vasudevananda geführt, das andere von Svarupananda.

Svarupananda wurde 1982 auch zum Shankaracharya eines weiteren Klosters, dem des Westens, von Dwarka, ernannt. Er scheint zahlenmäßig mehr Rückhalt zu haben als Vasudevananda, auch wenn David Lynch sich von Vasudevananda und seinen Anhängern in diesem Video beeindruckt zeigt.  Svarupananda weigert sich, Vasudevananda anzuerkennen und verweist darauf, dass die anderen Shankaracharyas Vasudevananda auch nicht anerkennen.

War Maharishi ein Shudra und kein Brahmane?

In den traditionellen Kreisen, die Svarupananda unterstützen, gilt Maharishi als ein Vertreter der „Shudra“ Kaste.  Shudras sind Diener, die hauptsächlich des Geldes wegen arbeiten, um den Feierabend und das Wochenende genießen zu können und ihren eigenen Wünschen nachzugehen.  Im Gegensatz dazu streben Brahmanen nach Erleuchtung und Befreiung und arbeiten nicht für Geld.

Sind die Mantren der TM nur für materielle Zwecke?

Swarupananda beschreibt die Mantren, die Maharishi weitergab als bedeutunglose Klänge, die nur materiellen Zwecken dienen, nicht aber der Befreiung der Seele. Nachdem, was ich von ehemaligen TM-Lehrern erfahren habe, kann ich diese Einschätzung nicht teilen.

Vasudevananda unterstützt Urklangmeditation

Vasudevanada ist der Shankaracharya, der Maharishi Yogi unterstützt hat. Vasudevananda steht auch mit dem Chopra Center in einer ständigen Beziehung  und hat Deepak Chopra Mitte der Neunziger Jahre die Erlaubnis gegeben, Primordial Sound Meditation, auf Deutsch von manchen Urklangmeditation genannt, zu unterrichten.

Sind die Mantren der TM und Urklangmeditation die gleichen? 

Urklangmeditation verwendet andere Mantren als die TM Organisation. Die Mantren der Urklangmeditation ergeben sich aufgrund der Mondposition eines Menschen zurzeit seiner Geburt. Die Mantren der TM stammen angeblich aus dem Rig Veda, dem ältesten der vier Veden Samaveda, Yajurveda und Atharvaveda .

Ist ein bedeutungsvolles Wort wirkungsvoller als ein Mantra ohne besondere Bedeutung?

Die Aussage im Film, dass ein nach Ihrer Wahl gewähltes Wort Sie wirkungsvoller zur Ruhe bringt, als zum Beispiel ein TM-Mantra oder ein Urklangmantra würde von Deepak Chopra verneint, sagt er doch im Urklangmeditationskurs, dass Worte wie „Friede“ oft beunruhigende Gedanken hervorrufen wie zum Beispiel „Krieg in Afghanistan“. Worte, die keine besondere Bedeutung haben, können uns tiefer in die Ruhe bringen.  Die Meditationserfahrungen, die ich mit anderen Meditierenden gemacht habe, bestätigen, dass Mantren ohne besondere Bedeutung beruhigender wirken können als Worte mit Bedeutung.

Lebensleistung Maharishis

„Erfolgreich sein, kommt von glücklich sein“

Maharishi Yogi

Abgesehen von der im Film angedeuteten Veruntreuung von Spendengeldern, die, wenn dies stimmt, wohl rechtswidrig wäre und den vielen Fragen über TM,  war Maharishi Yogi, unabhängig von seinen Fehlern und Schwächen ein großer Lehrer und hat vielen Menschen, auch Deepak Chopra, meditieren beigebracht. Maharhishis  faszinierendes Buch „Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des Lebens“ unterstreicht sein tiefgehendes Wissen darüber, wie man mühelos den Geist zur Glückseligkeit zurückkehren lassen kann.

* Adi Shankara war ein indischer Mönch aus dem 8. Jahrhundert, der  Advaita Vedanta begründete, eine Strömung der vedischen Philosophie, die besagt, dass wirklich nur das ist, was sich nicht ändert und alles Brahman, göttliches Bew usstsein ist.  Unter den vielen Einrichtungen, die Adi Shankara in ganz Indien gründete, gehören auch  4 „Mathas“, Hauptklöster,  je eins in Nord-, Süd- West und Ostindien.

Quellen

http://indology.info/papers/sundaresan/

http://blog.beliefnet.com/intentchopra/2008/02/first-meeting-maharishi-by-dee.html

http://blog.beliefnet.com/intentchopra/2008/02/first-meeting-maharishi-by-dee.html#ixzz1pfbUdyiC

Falls Sie den Film nicht im Kino sehen können, schauen Sie doch mal auf Youtube nach.

 

1 comment to David wants to fly

  • […] Da Jupiter und Merkur mehrfach in diese Yogas eingebunden sind, ist es keine Überraschung, dass er während seiner Jupiter-Merkur Phase, 1985, Maharishi Yoga kennenlernte, der ihm meditieren beibrachte und ihn dazu anregte, statt westlicher Medizin zu praktizieren, Ayurveda zu lehren. (Mehr über die TM- Bewegung und Deepak Chopras Rolle in dieser Organisation hier). […]

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