Freier Denken

Deepak Chopra, 1.  November 2012

Ungewollte Gedanken, Sorgen, Selbstzweifel oder Hoffnungslosigkeit können einem täglich in den Sinn kommen.  Der Geist ist für diese Gedanken anfällig. Wenn dieselben Gedanken immer wieder anklopfen, ist dies ein Zeichen, sich zu verändern.  Ein Teil von Dir ruft Dich und möchte Deine Aufmerksamkeit.

Stein im Schuh

Immer wiederkehrende Gedanken sind wie ein Stein im Schuh. Es macht keinen Sinn, den Stein als einen Feind zu sehen oder ihn zu bitten, Dir nicht mehr weh tun. Der Fuß, den der  Stein drückt, bittet um Heilung.
Der einzige, der hier etwas unternehmen kann, bist Du.  Es ist Zeit, Wege aufzugeben, die nicht funktioniert haben. Der Grund für gedankliches Elend ist, dass wir keinen Plan haben.  Anstatt negative Gedanken zu verdrängen, wie kannst Du sie als Anregung hernehmen, konstruktiv zu handeln?  Die folgenden sieben Schritte zeigen auf, wie Du einen Gedankenstein aus deinem Schuh entfernen kannst.
1. Nutze negative Gedanken, um etwas sinnvolles zu tun
Ein ständig wiederkehrender Gedanke ist wie ein Hilfeschrei.  Genauso wenig wie Du ein schreiendes Kind vernachlässigen würdest, solltest Du auch Deine negativen Gedanken nicht vernachlässigen und stattdessen dem schreienden Kind zur Hilfe kommen. Wenn Du in einer schwierigen Lage bist, an Dir zweifelst und Dich fragst, ob Du da je wieder raus kommst, schiebe die Angst  in Deinem Kopf  nicht weg. Nimm Abstand von dem ganzen Stress, setz dich irgendwo still hin und atme tief ein und aus.
Sobald Du zur Ruhe gekommen bist, mach einen Plan. Schreibe auf, was Du konkret tun wirst. Setze Deinen Verstand ein, anstatt Dich in unkontrollierbaren Gefühlen zu verlieren. Überlege Dir die Reihenfolge, in der Du vorgehen möchtest und mach dann den ersten Schritt. Gefühle in sinnvolle Handlungen umzuwandeln ist eine der besten Möglichkeiten vom Problem zu einer Lösung zu kommen.
2. Suche den Rat eines Außenstehenden
Wenn Du Gedanken wie Angst oder Hilflosigkeit eine Zeit lang mit dir herumgetragen hast, frage Menschen mit einem anderen Blickwinkel, was Sie von Deinem Vorhaben halten. Geh zu jemandem, dem Du vertraust, der in sich gefestigt und eigenständig ist und Mut hat. Es sollte jemand sein, der Dich in deinem Bedürfnis nach Veränderung unterstützen kann, anstatt Dich zu bemitleiden, oder nur darauf zu verweisen, dass Du die Zähne zusammen beißen sollst.
3. Halte nicht an vergeblichen Wegen fest
Wir machen etwas, obwohl es nicht funktioniert, weil wir im Gehirn die dementsprechenden Nervenbahnen gelegt haben. Es ist leicht, immer wieder dieselben Wege zu gehen. Sobald Du dies merkst, halte an und mach Dir klar: „So habe ich es schon mal versucht, aber das klappt nicht.“ Du wirst mehr als einmal anhalten müssen und doch bringt es Dich jedes Mal ein Stück weiter. Je seltener Du den vergeblichen Weg gehst, desto mehr Energie hast Du für Neues. Es bringt hierbei  nichts, Deine alten Gewohnheiten zu bekämpfen. Krieg macht nur noch mehr Kummer. Stattdessen achte bewusst darauf, was funktioniert und was nicht.
4. Weite Dein Bewusstsein aus
Ein eingeengter Geist ist wie ein angespannter, verkrampfter Muskel. Du kannst nicht erwarten, dass er sich bewegt. Stell Dich alten Gewohnheiten, überholten Ansichten, Gefühlen von Trägheit, Angst und Pessimismus.

Ein eingeengter Geist fühlt sich nicht gut an. Bei jedem Unbehagen solltest Du Dein Bewusstsein ausweiten.  Wenn Dich jemand nervt, ist das ein Zeichen, dass Dein Geist eingeengt ist. Wenn Du offen wärst, würdest Du die Person annehmen, ihre guten Seiten sehen und nicht nach Gründen suchen, sie nicht zu mögen oder ihr die Schuld für Deinen Gemütszustand zu geben.
Sturheit oder Rechthaberei lösen Probleme nicht. Offenheit schon.  Schau tiefer in Dich hinein und folge dem Beispiel verständnisvolller Menschen anstatt Vorurteile zu schüren oder ein Opfer zu spielen. Seit Jahren empfehle ich Meditation als die wirkungsvollste Methode zum Ausweiten des Bewusstseins. Hilfreich sind auch Achtsamkeit, Selbsterkundung, Gebet, Einkehr und Gesprächstherapie.
5. Übernimm die volle Verantwortung 
Deine Gedankenwelt umfasst gute und schlechte Seiten, große Hoffnungen, aber auch große Herausforderungen. Die Tatsache, dass unser Geist unsere Wirklichkeit erschafft, kann überwältigen. Wir alle wollen uns heimlich aus der Verantwortung stehlen und der schmerzhaften Wahrheit nicht ins Auge sehen, dass wir die Situation, in der wir uns gerade befinden, selber erschaffen haben.  Da Veränderung für viele von uns zu riskant ist  und wir gerne anderen die Schuld an unserem Leben geben, bleiben viele Hoffnungen unerfüllt. Wenn Du die Macht annimmst, Deine Wirklichkeit zu erschaffen, öffnet Dir dies den Weg zu den größten Freuden des Lebens.
6.  Was ist der höhere Sinn Deines Lebens?
Du bist nicht nur für das verantwortlich, was in Deinem Leben schief gelaufen ist, sondern auch für Deine Erfolge. Eine klare Vorstellung Deines Lebens hilft Dir dabei, höhere Ziele zu stecken. Strebe nach langfristiger Erfüllung anstatt nach schnell vergänglichen, angenehmen Vergnügungen.  Das macht das Gute im Leben noch wertvoller. Das Streben nach sofortiger Befriedigung ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Ablenkungen sind ein Milliardengeschäft.  Wieviel Zeit verbummelst Du täglich  im Internet. beim Videospielen, mit ziellosem Fernsehen, Essen aus Langeweile, Einkaufen oder mit Herumhängen?
Solche Zerstreuungen erinnern an einen unreifen Menschen, der vom Erwachsenwerden einen Kater hat. Für so etwas bleibt keine Zeit mehr, wenn Du auf Deine persönliche Weiterentwicklung Wert legst. Ich rede hier nicht davon, sich zu ernst zu nehmen, sondern davon, höhere Ziele zu setzen, die dauerhaft befriedigen können. Die Frage, worum es in Deinem Leben geht, ist mit der Frage  „Wer bin ich?“ verbunden und damit, was Du mit Deiner Antwort auf diese Frage machst.
7. Nutze Deine Erfolge
Wir fingen damit an, dass kummervolle Gedanken zum Problem werden, wenn wir sie als Feinde anstatt als Freunde sehen. Wenn Du Deine Gedanken zu Deinen Freunden machst, musst Du jeden Schritt vorwärts unterstützen, um im Gehirn neue und dauerhafte Nervenbahnen zu schaffen. Ansonsten hast Du das Gefühl, die Fortschritte verschwinden wieder und die Probleme bleiben. Dabei hat der Schatten  keine Macht über das Licht. Wir tragen beides in uns. Die entscheidende Frage ist,

„Wie kannst Du so viel Licht wie möglich in eine Situation bringen?“

Das Negative erstarkt,  indem wir es wiederholen, uns darauf konzentrieren und uns zu wenig achtsam verhalten, Das Positive erstarkt, in dem wir unsere Erfolge feiern, uns mit guten Vorbildern austauschen und lernen, flexibel und objektiv zu sein und noch bewusster zu werden.
Dieser Plan zum Überwinden gedanklichen Elends kann überwältigend sein, wenn wir noch auf dem vergeblichen Weg  festsitzen. Dieser Weg zögert allerdings nur den Tag hinaus, an dem Du erkennst, dass Du weder das Opfer des Lebens noch das Pfand des Schicksals bist. Du bist der kreative Mittelpunkt Deines Lebens. Die größte Macht die wir haben, ist die Macht, die Wirklichkeit zu erschaffen. Gedankliches Elend spricht Dir diese Macht ab. Die Gedankenwelt zum Anstoß für sinnvolles Handeln zu nehmen ist ein Weg in die Freiheit. Das Wesen der Weisheit ist, dass es immer eine Lösung gibt, sobald wir erkennen, dass der Geist nicht nur Leiden schaffen kann, sondern auch das grenzenlose Potential hat, Dich glücklich zu machen.

Angepasst aus dem Amerikanischen Original „ A freer (Happier!) Way to think“ von Joachim Schneider.

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