Ein Durchbruch in der menschlichen Evolution

sonne-hinter-den-wolkenDeepak Chopra und Rudolph E. Tanzi, 30. August 2016

Diese Woche gibt es aufregende Neuigkeiten darüber, wie Meditation sich auf das Wohlbefinden auswirkt. Zusätzlich zu den wissenschaftlichen Untersuchungen, die daraufhinweisen, dass  Meditation unter anderem den Blutdruck ausgleichen und bei Depressionen helfen kann, zeigt eine neue Studie, die gerade im „Springer Nature“ Journal  „Translational Psychiatry“ erschienen ist, dass Meditation Veränderungen auf der tiefsten Ebene, den Genen, auslöst. Die Studie wurde von Spitzenwissenschaftlern von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, der University of California, San Francisco und der Harvard Medical School durchgeführt. Bevor wir zu den konkreten Ergebnissen dieser Studie kommen, möchte ich einen Überblick geben, weil sich dort der tatsächliche Durchbruch vollzieht.

Möglicherweise findet die fruchtbarste Entdeckung der medizinischen Wissenschaften in den letzten 20 Jahren auf der genetischen Ebene statt. Seit die DNA in den frühen Fünfziger Jahren abgebildet wurde, war die vorherrschende Sichtweise, dass unsere Gene unveränderbar sind. Die 20,000 – 25,000 Gene, die wir von unseren Eltern geerbt haben, haben wir ein Leben lang. Daran hat sich nichts geändert.

Wenn Gene jedoch unveränderbar sind, versperrt uns dies jede Chance auf Weiterentwicklung,  abgesehen von den zufälligen Veränderungen, die Krebs auslösen kann. Die Evolution vollzieht sich langsam, über Millionen von Jahren, aus zufälligen Veränderungen und aufgrund einer unterschiedlich guten Anpassung an die Umwelt. Die meisten Veränderungen verschwinden schnell wieder, weil sie unsere Überlebensfähigkeit ungünstig beeinflussen, oder weil sie weder Vor- noch Nachteile bieten. Der Genausdruck und die Aktivität der Gene ist jedoch alles andere als unveränderbar. Es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass DNA dynamisch und schnell auf den Lebensstil eines Menschen reagiert. Gene regeln die chemischen Reaktionen einer Zelle und deshalb sind tausende von Veränderungen in der Genaktivität möglich. Genetische Schalter funktionieren nicht wie Ein- und Ausschalter sondern wie Schieberegler oder eine Jukebox, die in der Ecke steht.  Sie kann viele Platten spielen und jede Platte hat eine andere Nachricht.

Die Frage ist, wie bringen wir Zellen dazu, positive Botschaften zu senden und zu empfangen?  „Positiv“ heißt in diesem Zusammehang förderlich für das Leben der Zelle und damit für  das Gewebe, die Organe und das Leben des Menschen.  Dass ein Mensch Entscheidungen treffen und von der genetischen Ebene aus seine Körperfunktionen verbessern kann,  bestätigt die neue Studie.  Die Pressemitteilung von Mt. Sinai in New York sagt im Wortlaut:

„An der Studie nahmen 94 gesunde Frauen teil, im Alter von 30 bis 60.  64 Frauen wurden angeworben, die nicht regelmäßige Meditierer waren.  Die Teilnehmer wohnten 6 Tage lang am selben [ La Costa ] Resort in [Carlsbad] Kalifornien und per Zufallsprinzip machte eine Hälfte Urlaub, während die andere Hälfte an einem Meditationstrainingsprogamm geleitet vom Chopra Center for Wellbeing teilnahm. Das Meditationsprogramm beinhaltetete Training in Mantrenmeditation, Yoga und Selbsterkundungssübungen.  Dieses Programm wurde von Deepak Chopra entworfen, welcher nicht an der Datenerhebung – oder -analyse teilnahm.“

Um tiefere Einblicke in die Langzeitwirkung des von Wissenschaftlern so benannten  „Meditationseffekts“ zu gewinnen,  verglichen mit dem „Urlaubseffekt“, untersuchte das Team auch eine Gruppe von 30 erfahrenen Meditierern, die sich zuvor für dieses Seminar angemeldet hatten. Forscher nahmen Blutproben kurz vor Aufenthaltsantritt  und gleich nach Aufenthaltsende. Die Teilnehmer füllten an diesen Tagen sowie einen Monat und 10 Monate später Fragebögen aus.

Das Forschungsteam untersuchte die Veränderungen in 20,000 Genen, um zu ermitteln, welche Gentypen sich vor und nach dem Erlebnis in diesem Resort verändern würden.  Wissenschaftler führten eine integrative transkriptomische Analyse durch und verglichen  die Genausdrucksnetzwerke bei allen drei Gruppen und fanden eigenständige molekulare Profile und Anreicherungsmusterbahnen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass alle Gruppen – neue Meditierer, erfahrene Meditierer und Urlauber – wesentliche Veränderungen in ihren molekularen Netzwerkmustern nach einer Woche am Resort hatten, mit einer klaren Signatur, die die biologischen  Anfangswerte  von den Werten nach dem Aufenthalt unterschied. Die bemerkenswertesten Veränderungen in Genaktivität bezogen sich auf die Stressreaktion und Immunfunktion.

Die Forscher bewerteten auch Selbsteinschätzungen darüber, wie wohl sich die Teilnehmer fühlten.  Während alle Gruppen Verbesserungen bis zu einem Monat danach zeigten, berichteten neue Meditierer weniger Depressionssymptome und weniger Stress als die nicht meditierenden Urlauber. Die psychische Wirkung ist offenbar anhaltend. Es ist jedoch nicht klar, ob diese Wirkung darauf zurückgeht, dass die neuen Meditierer weiter meditierten oder die Ereignisse in ihrem Leben jetzt nachhaltig anders sehen.

„Es macht intutiv Sinn, dass Urlaub die biologischen Abläufe, die mit Stress zu tun haben absenkt, aber es war beeindruckend, dass es in so kurzer Zeit zu so großen Veränderungen im Genausdruck kam, wenn man von einem schnellebigen Alltag in ein erholsames Umfeld kommt“, sagte Elissa S. Epel, Ph.D, Professorin für Psychiatryie an der University of Califonia, San Francisco und erste Autorin dieser Studie

Obwohl diese Ergebnisse erst wiederholt werden müssen, ist diese Studie, die mit ähnlichen Studien über die Wirkung von Meditation auf den Genausdruck übereinstimmt, wohl von großer Tragweite. Man kann nun mit Sicherheit sagen, dass Meditation ein idealer Weg ist, sich zu erholen, was wiederum das Immunsystem entlasten, und den Alltagsstress im Körper abbauen kann.  Die Vorhersage ist, dass dies auch zu gesünderem Altern führt.

So vielversprechend dies ist, die Aussicht, die uns alle begeistern sollte, ist, ist dass wir unsere eigene Biologie selber lenken können.  Meditation ist nur ein Weg: Ernährung, Sport, Stressmanagement, Psychotherapie und verschiedene östliche und westliche betrachtende Praktiken lösen eine Veränderung im genetischen Ausdruck aus.  Deine Zellen lauschen allen Bereichen Deines Lebensstils und reagieren darauf, was Du denkst, tust und fühlst.  Es gibt keine Lücke mehr zwischen Geist und Körper.  Wir haben den genetischen Beweis, dass Geist und Körper in einem System verschmolzen sind  und wir ganzheitlich denken müssen, wenn wir ein Leben lang aufblühen wollen.

Aus dem Amerikanischen Original übertragen von Joachim Schneider

 

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