Primordial Sound Meditation, TM und TM-Varianten

Joachim Schneider, Dezember 2016

Primordial Sound Meditation, im deutschsprachigen Raum auch als Urklangmeditation bekannt, ist sanft und mühelos. Sie haben nur eine Aufgabe, sich wohlzufühlen. Da Sie der einzige Mensch sind, der weiß, ob Sie sich jetzt wohlfühlen, sind Sie auch der beste Guru in Ihrem Leben.

Primordial Sound Meditation ist vollkommen unabhängig von TM. Deepak Chopra erwähnt TM in seinen Seminaren und Texten auch nicht, solange er darüber nicht befragt wird. Die Mantren der Primordial Sound Meditation sind andere und Chopras Aussage, dass Jeder sein eigener Guru ist, steht im Gegensatz zu TMs Hingabe zu Maharishi Yogi. Dank Maharishi hat Deepak Chopra jedoch meditieren gelernt und ist ein ayurvedischer Arzt geworden und schlussendlich berühmt. Ohne seine langjährigen Erfahrungen mit der TM-Meditation hätte Deepak Chopra Primordial Sound Meditation wohl nicht aufbauen  und  vielen Menschen zu einer mühelosen Meditationspraktik verhelfen können.  

TM

TM ist eine vedische Mantrenmeditation, laut Williamson (2010) „hindu-inspiriert“.  Diese Praktik wurde  von Maharishi Mahesh Yogi 1955 in Indien eingeführt und in den Sechziger Jahren im Westen bekannt gemacht. Über 5 Millionen TM-Praktizierende weltweit und sogar die Beatles, Beach Boys und anderer Berühmtheiten haben Maharishi Yogi als ihren Guru verehrt. Maharishi sagt, dass wir in der Meditation „ dem Geist mühelos erlauben, zu seinem natürlichen Zustand der Glückseligkeit zurückzukehren.” Seinen Meditationsansatz beschreibt Maharishi in dem Buch “Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des Lebens”. Meditierer wiederholen, bequem sitzend, mühelos ein persönliches Mantra, ohne dass sie sich konzentrieren oder die Bedeutung des Mantras vergegenwärtigen müssen. Das Mantra dient als Anfangspunkt und Gefährt, um die jetzigen Gedanken zu „transzendieren“ bzw. über sie hinauszugehen und zum reinen Bewusstsein zu kommen. In den Worten von Maharishi Yogi (1987) „We use the mantra to lose it“, “Wir verwenden das Mantra, um es loszuwerden“. TM spricht darüberhinaus von 7 verschiedenen Bewusstseinsebenen und vom kosmischem und Einheitsbewusstsein, das man erlangen kann, wenn man regelmäßig meditiert.

Ursprung von TM

Maharishi  war ein Schüler von Brahmananda Saraswati, auch genannt “Guru Dev”, dem Abt von Jyotir Math, dem nördlichen der 4 Shankaracharia Klöster Indiens. Diese Klöster wurden von Adi Shankara, dem Verfasser der Advaita Vedanta Philosophie, im 8. Jahrhundert n. Chr. gegründet. Maharishi Yogi soll die Praktik, die er TM nannte, von Guru Dev gelernt haben, aber auch von Brahmarshi Daivarata, einem Schüler von Ganapati Muni (Siehe Frawley, 2006, 2010).

Shankaracharia

Es gibt einen Streit darüber, wer heute der Shankaracharya, der wahre Abt von Jyotir Math ist. Vor mehreren Jahren wurde sogar Jemand deshalb umgebracht. TM wird von Vasudevananda unterstützt, welcher auch dem Begräbnis von Maharishi Yogi in Allahabad vorstand und die Einweihung eines 108 Fuß hohen Denkmals zur Erinnerung an Maharishi leitete. Svarupananda, der Abt des östlichen und westlichen Klosters, sieht sich jedoch als der wahre Shankaracharia von Jyotir Math. Er sagt auch, dass Maharishi nie ein Schüler von Guru Dev war, sondern nur sein Sekretär und dass die hohen Kosten für TM belegen, dass Maharishi kein Brahmane, ein selbstloser Lehrer war, sondern ein “Sudra”, ein Diener seiner materiellen Wünsche.  Mehr über diese Kontroverse und ein kritischer Blick auf TM, die “Türme der Unbesiegbarkeit” und die „Rajas“, die Spendenkönige erfahren Sie in dem Film “David wants to fly” von David Sieveking.  Die Shankaracharias, die Äbte der 4 Klöster der Shankaracharia Tradition Indiens haben heutzutage viel an Einfluss verloren.

TM-Mantren

Die TM-Mantren sind geheim. Nach dem was ich von ehemaligen TM-Meditierern gehört und gelesen habe, erhält der Meditierende aufgrund seines Lebensjahrs,  seines Geschlechts, bzw. des Jahres, in dem die Übergabe des Mantras stattfindet, eines von ca. 20 verschiedenen, besonderen „Shakti Bija“ Mantren im Rahmen einer feierlichen Einweihungszeremonie überreicht. Das Mantra wird zuerst laut gesagt und dann still während der Meditation wiederholt. Das Mantra darf sich in der Geschwindigkeit, Tonhöhe oder Aussprache seiner Wahl wiederholen, wie wenn der Meditierende dem Mantra zuhört. „Shakti“ heißt „Macht“, „Kraft“ und „Befähigung“ und „Bija“ Same. Shakti Bija Mantren sind Energiesilben, die Teil der vedischen Mantrentradition Indiens sind und vedische Gottheiten verkörpern. In der TM-Organisation werden Bija und Shakti Bija-Mantren als „Fertilizer“, als „Dünger“ angesehen, um die Wirkung der Meditation zu verstärken[1].

Kritik an TM

Oshu und Krishnamurti waren keine Fans von TM.

“Die kurzlebige Modeerscheinung genannt Transzendentale Meditation ist in Wirklichkeit eine Art Siesta am Morgen, Siesta nach dem Essen und Siesta nach oder vor dem Abendessen, damit das Gemüt etwas stiller wird, und man danach noch mehr Unfug anrichten kann.” 

Krishnamurti, 1978

“Wenn du immer wieder einen bestimmten Klang wiederholst, entwickelt sich ein Kreis in Dir. Dies wird mit der Zeit langweilig und macht schläfrig. Transzendentale Meditation von Maharishi Mahesh Yogi ist im Westen zu einer Schlaftablette geworden. Der Grund ist, dass Du ein Mantra wiederholst, ohne innerlich aufmerksam zu bleiben, ohne wach zu sein. Immer wieder den Klang zu wiederholen, hilft vielleicht beim Einschlafen aber bringt ansonsten nichts… Wenn Du an Schlaflosigkeit leidest, ist Transzendentale Meditation eine gute Sache. Andernfalls ist das Mantra nur von Wert, wenn Du es mit einem wachen, inneren Ohr verwendest.“

Osho, S. 93  “The World of Tantra”, 1999)

“Transzendentale Meditation ist weder transzendental noch Meditation… Sie erleuchtet nicht, verschafft jedoch ein Gefühl von Wohlbefinden.  Du fühlst Dich erfrischt, wie nach einer Dusche. Eine Dusche ist jedoch keine transzendentale Meditation.” 

Osho

Nebenwirkungen?

Es gibt Berichte, dass sich manche Menschen aufgrund von TM Meditation körperlich unwohl fühlen, voreingenommen oder egoistisch werden, die Wirklichkeit verdrängen, nicht mehr arbeiten wollen, sich von der Gesellschaft zurückziehen oder gar Selbstmordgedanken hegen. Ob diese Erfahrungen an der Meditation selber liegen, an der Persönlichkeit der Beteiligten, an der Organisationsstruktur von TM, die vom bekannten Psychiater Robert Lifton als Sekte eingestuft wird, oder ob diese Erfahrungen Teil eines Heilungs- oder Erleuchtungsprozess darstellen, ist nicht klar (Siehe trancenet.net, tmfree.blogspot.de ). TM-Meditierer versichern, dass man problemlos an einem TM-Kurs teilnehmen kann, ohne je mit der Organisation wieder etwas zu tun haben zu müssen.

Deepak Chopra und TM

Deepak Chopra trat 1985 TM bei und fand dadurch zu einer regelmäßigen Meditationspraktik. Nachdem er eine Zeit lang meditierte, hörte er sogar zu rauchen auf, obwohl er früher 2 Schachteln am Tag brauchte. Maharishi Yogi hat Chopra auch dazu ermuntert, ein Ayurvedischer Arzt zu werden. Siehe Chopras Biographie „Return of the Rishi“ von 1991.

Deepak Chopra war von Maharishi einst als Nachfolger vorgesehen.  Chopra verließ die TM Organisation jedoch 1994, weil er nicht als Guru verehrt werden wollte und die in der TM-Organisation praktizierten Rituale nicht zu ihm passten, sagte er in einem Interview. Auch wollte er sich nicht vorwerfen lassen, dass er mit dem Maharishi um die Führung der TM Organisation konkurrieren würde und er wollte seine Bücher und Texte nicht erst von Maharishi genehmigen lassen.

Seit Deepak Chopra die TM Organisation verließ, spricht er in seinen Kursen oder der Öffentlichkeit nicht über Maharishi Yogi, TM oder TM Forschung, wenn er darüber nicht befragt wird. Das Chopra Center empfiehlt seinen „Primordial Sound Meditation“ Lehrern ebenfalls, nicht über TM zu sprechen.

Primordial Sound Meditation

Primordial Sound Meditation ist eine jahrtausende alte Meditationspraktik, die von Deepak Chopra, David Simon and Roger Gabriel, alle ehemalige TM-Lehrer, mithilfe des vedischen Astrologen Brent Becvar wiederentdeckt und 1994 im Westen bekannt gemacht wurde. Primordial Sound Meditation ist die einzige Meditationspraktik, die am Chopra Center unterrichtet wird und ist Voraussetzung für die Teilnahme an den Chopra-Center Seminaren von Deepak Chopra. In einem Emailaustausch, den ich mit dem Chopra Center 2011 hatte, wurde mir gesagt, dass Deepak Chopra täglich Primordial Sound Meditation praktiziert.

Jeder ist sein eigener Guru

Primordial Sound Meditation geht, laut Deepak Chopra, auch auf die Shankaracharia Tradition Indiens zurück. In der Primordial Sound Meditation ist  jedoch Jeder sein eigener Guru. Chopra erklärt dies mit Adi Shankaras  Aussage, dass das Göttliche in jedem Wesen zu finden ist und deshalb jeder Mensch seinen eigenen spirituellen Weg gehen soll. Auch greift Chopra auf die Weisheiten vieler Religionen zurück, unter anderem den Sufi Dichter Rumi, welcher sagte, „Jenseits von „richtig“ und „falsch“ ist eine Wiese, auf der ich Dich kennen lernen möchte.“ Für mehr Hintergrund über Deepak Chopras Philosophie lesen Sie  den Artikel  „Ist Deepak Chopra New Age, Buddhist, Hindu?“

Primordial Sound Meditation wird auch von Vasudevananda unterstützt, den Chopra  Simon und Gabriel in Indien besuchten, um die Erlaubnis zur Verbreitung dieser Meditation einzuholen. Ob Vasudevananda Primordial Sound Meditation oder TM praktiziert, ist unklar. Deepak Chopra hat in seinen Veröffentlichungen oder Kursen nie auf konkrete Personen in Indien verwiesen, die Primordial Sound Meditation ausübten, bevor er diese Praktik in den Neunziger Jahren wiederentdeckte. Genau wie TM spricht auch Chopra über die sieben Bewusstseinsebenen (1) Schlaf, (2) Träumen, (3) Wach sein, (4) Atma Darshan (ein flüchtiger Blick der Seele), (5) kosmisches Bewusstsein, (6) verfeinertes kosmisches Bewusstsein und (7) Einheitsbewusstsein.

Sanft und mühelos

Primordial Sound Meditation ist „sanft und mühelos“, sagt Deepak Chopra. Es ist nicht erforderlich, sich zu konzentrieren, anzustrengen oder etwas zu kontrollieren oder den gegenwärtigen Augenblick zu überwachen. Alle Gedanken, Empfindungen und Geräusche in der Umgebung sind erlaubt. Es gibt keine Unterbrechungen mehr. Für Chopra besteht Meditation nicht darin, den Geist dazu zu zwingen, ruhig zu sein, sondern

„die Ruhe die bereits da ist, zu erleben. Es ist daher nicht erforderlich, sich mental anzustrengen, zu versuchen, konzentriert zu bleiben oder sich Gedanken zu widersetzen. Diese Bemühungen halten den Geist davon ab, sich spontan auszuweiten…Während Du meditierst, wende nie Zwang an oder drücke gegen Gedanken oder Gefühle. Wenn Du von der Meditation abschweifst, lass das Bewusstsein leicht und mühelos zur Meditation zurückschweifen.“

Auch die Aussprache des Urklangs muss nicht korrekt sein.  Wir überlassen es dem Urklang, wie er ausgesprochen werden will.

Neuerlich konzentriert?

Der neue Chef-Trainer am Chopra Center, David Frawley, betont, im Gegensatz zur ursprünglich mühelosen Primordial Sound Meditation, bei der es nicht erforderlich ist, das Mantra richtig auszusprechen das genaue Gegenteil, nämlich wie wichtig es ist, sich auf den Primordial Sound zu konzentrieren und das Mantra korrekt zu sagen. In wieweit sich dessen Vorgaben auf die Gestaltung der Meditationsseminare und Lehrerausbildung auswirkt, kann ich nicht einschätzen.

Wohlfühlen

Die einzige Aufgabe in der Primordial Sound Meditation ist, sich wohlzufühlen.  Klassische Yoga- oder Sitzpositionen sind nicht erforderlich. Die Praktik wird in einem bequemen Stuhl mit Rückenlehne unterrichtet. Der Rücken muss dabei nicht gerade gehalten werden. Die Erfahrung ist, dass sich der Rücken bei  regelmäßiger Praktik von selber aufrichtet. Während meiner Lehrerausbildung  2003 sagte mir Deepak Chopra darüberhinaus, dass, falls ich auf dem Boden sitzen will, die Knie höher sein sollten als das Gesäß. Diese Empfehlung würde bedeuten, dass Buddhistische Sitzpositionen, wie Lotus, Halblotus, Viertellotus oder der Burmesischen Sitz, bei dem die Knie den Boden berühren, für die Primordial Sound Meditation nicht erforderlich sind.

Ursprung des Urklangs

Der Urklang, das individuelle Mantra, das jeder Teilnehmer eines Primordial Sound Meditationskurses im Rahmen einer feierlichen Übergabe erhält, wird aufgrund des vedischen Horoskops ausgewählt. Dieser Klang ist ein Bija, ein Samenklang, die Ursilbe, die das Universum zur Zeit der Geburt eines Menschen gesummt hat. Der Urklang ist die kosmische Schwingung, mit der wir in die  Lücke zwischen die Gedanken kommen und zum grenzenlosen Bewusstsein finden. Um den Urklang zu ermitteln, gilt es, die Position des Mondes zur Zeit der Geburt festzustellen. Im Vedanga Jyotisha, dem ersten Buch der vedischen Astrologie vor 5000 Jahren sind 1o8 verschiedene  Mondpositionen um die Erde beschrieben, 4 für jeden der 27 Tage, die der Mond braucht, um die Erde zu umrunden. Jede dieser Mondpositionen ist mit einem Bija verknüpft. Diese Klänge sind den Rishis, den weisen Lehrern der vedischen Tradition vor 5000 Jahren während der Meditation gekommen und sie haben den jeweiligen Klang der Mondposition zu diesem Zeitpunkt zugeordnet.

Urklang dient in Indien zur Namensgebung

Der Urklang dient Astrologen in Indien zur Bestimmung  des Vornamens eines Babys und wird als Grundlage für weiterführende Mantren herangezogen (Siehe Sanjay Rath, 2000).

Feierliche Urklangübergabe

Meditierer erhalten ihren Urklang im Rahmen eines geheimen, feierlichen Rituals. Die Empfehlung ist, nach der Übergabe, mit dem Mantra nur still zu meditieren und es Niemanden zu sagen. Seit Tausenden von Jahren ist die Erfahrung, dass Menschen, die ein Mantra feierlich auf diese Weise überreicht bekommen und das Mantra für sich behalten, langfristig damit meditieren. Wenn man hingegen ein Mantra aus einem Buch oder dem Internet auswählt, kann sich dieser Zauber nicht auf die gleiche Weise entfalten. Mantra Shastra, die Wissenschaft des Klangs sagt allerdings auch, dass, wer sich von einer Organisation trennen möchte, sein geheimes Mantra einem anderen Menschen zeigen soll, in welchem Fall der Bann gebrochen ist.

Samaya Tantra?

David Frawleys Buch „Mantra Yoga and Primal Sound“, lässt den indirekten Schluss zu, dass das Übergaberitual der Primordial Sound Meditation ursprünglich aus dem spirituellen Samaya Tantra stammt. Samaya ist eine innere Praktik, die schon Buddha, Ramakrishna, der Dalai Lama und Chögyam Trungpa Rinpoche praktiziert haben und bei der die Energie der Natur für einen Wandel angewandt wird. Im Samaya Tantra gilt es, wie in der Primordial Sound Meditation,  die Lücke, auf Englisch die „gap“,  zwischen den Gedanken zu finden.

Nachteilige Wirkungen?

Es gibt Tausende vom Chopra Center zertifizierte Primordial Sound Meditationslehrer auf der ganzen Welt und Hunderttausende von Primordial Sound Meditierern. Da in der Primordial Sound Meditation jeder sein eigener Guru ist und machen kann, was er will, habe ich noch keine Beschwerden darüber gehört, dass sich Menschen unterdrückt oder manipuliert fühlen. Die Unabhängigkeit vom Chopra Center und von den Lehrern führt womöglich zum gegenteiligen Problem, dass manche Menschen zu wenig Halt und Anschluss in dieser Organisation finden, was allerdings auch eine Frage der Eigeninitiatve ist.

Auch kenne ich keine Studien oder Berichte über unangenehme Auswirkungen der Primordial Sound Meditation. Wenn man Chopra über unangenehme Nebenerscheinungen von Primordial Sound Meditation fragt, sagt er, dass diese nur auftreten, wenn wir uns “mental anstrengen oder uns Gedanken widersetzen oder versuchen, konzentriert zu bleiben. Diese Bemühungen halten den Geist davon ab, sich spontan auszuweiten. Wenn Du vor der Meditation unruhig und aufgewühlt  bist, ist es am Besten, ein paar Minuten leichte Atemübungen zu machen,  um den Geist zu beruhigen und danach mit der Meditation zu beginnen. Während Du meditierst, wende nie Zwang an oder drücke gegen Gedanken oder Gefühle. Wenn Du von der Meditation abschweifst, lass das Bewusstsein leicht und mühelos zur Meditation zurückschweifen.“

Da die Primordial Sound Meditation vom Meditationsstil her TM ähnelt, ist es jedoch möglich, dass vergleichbare Persönlichkeitsveränderungen eintreten. Manche Menschen sind aufgrund von Primordial Sound Meditation auch in der Lage, sich selber als die Beobachter ihrer eigenen Handlungen zu sehen, was, da ungewohnt,  nicht unbedingt immer als angenehm empfunden wird.

21 Tage Meditationen sind anders als Primordial Sound Meditation

In seinen 21 Tage Meditationen weicht Chopra zuweilen von seinem mühelosen Meditationsansatz ab, wenn er dazu anregt, bei jeder Wiederholung des Mantras „zu spüren, wie sich Körper, Geist und Spirit öffnet“ und wenn er die Bedeutung eines Mantras erklärt. In der Primordial Sound Meditation erklärt er die Bedeutung des Urklangs ausdrücklich nicht, um das Bewusstsein nicht auf der Ebene der Gedanken festzuhalten. Siehe Über die 21 Tage Meditation hinaus für einen Vergleich der 21 Tage Meditationen mit der Primordial Sound Meditation).

Andere von TM inspirierte Praktiken

Angeregt von TM  haben auch andere  ehemalige TM-Meditierer ihre eigenen Meditationsorganisationen ins Leben gerufen, wie ACEM („Academic Meditation Society“), CSM („Clinical Standardized Meditation“), Natural Stress Relief (NSR),  und „Vedic Meditation“. Auch RR („Relaxation Response“) von Herbert Benson von der Harvard Medical School enstand, nachdem TM-Meditierer ihn darauf ansprachen, TM zu erforschen.

ACEM

Are Holen aus Norwegen lernte TM von Maharishi Mahesh Yogi in 1962. 1966 gründete er zusammen mit anderen eine unabhängige Organisation, die er später ACEM („Academic Meditation Society“) nannte. Statt Mantren aus dem Sanskrit verwendet ACEM Meditation harmonische Klänge mit vielen Vokalen, die keine Bedeutung haben. Eine Studie von Solberg aus dem Jahr 2004 weist darauf hin, dass ACEM die Herzrate, den Blutdruck und muskuläre Anspannungen senken und eine ähnliche Wirkung haben soll, wie andere mühelose Ankermeditationen.

CSM (Clinical Standardized Meditation)

In den 1970igern entwickelte die  Amerikanische Psychologin und TM-Meditiererin Patricia Carrington, die „Clinically Standardized Meditation“, (CSM)  im Zuge Ihrer  Forschungsstudien über Meditation an der Princeton University. Da sie TM für medizinische Zwecke für zu spirituell hielt, für zu teuer und die Mantren für zu wirkungsvoll, ließ sie Meditierer ein Mantra aus einer Liste von 16 klassischen Sanskrit-Mantren auswählen, die sie vorab ausgesucht hatte. Teilnehmer können auch ein eigenes Mantra außerhalb dieser Liste hernehmen, solange die Worte angenehm und beruhigend sind. Carringtons Untersuchungen zeigen, dass CSMs gesundende Wirkung vergleichbar mit der anderer Meditationen dieser Art ist.

Eine persönliche Einführung in CSM, welche nicht erforderlich ist, beginnt, bequem sitzend, mit offenen Augen und dem Fokus auf einen angenehmen Gegenstand gerichtet. Das Mantra wird laut, langsam und rhythmisch wiederholt und dann immer stiller, bis es nur noch ein Flüstern und dann nur noch ein Gedanke ist. Der Meditierer schließt in diesem Moment die Augen. Das Mantra folgt seiner eigenen Geschwindigkeit und kann unabhängig vom Atmen sein. CSM empfiehlt, mit den Gedanken mitzugehen, anstatt sie zu ignorieren, bevor man wieder zum Mantra zurückzukehrt.

Natural Stress Relief (NSR)

Raymond Harrison, ein ehemaliger TM-Lehrer entwickelte vor mehreren Jahren Natural Stress Relief Meditation, was mit „Stresserleichterungsmeditation“ übersetzt werden könnte. NSR kann ohne persönliche Einführung mit einer CD und einem Begleitheft erlernt werden. Jeder verwendet dieselbe Silbe, welche kein Mantra ist. Harrison begann 2007 NSR wissenschaftlich zu untersuchen. Mit seinem Kollegen Fabrizio Coppola fand er heraus, dass die Praktik von Angst befreien und zu Selbstverwirklichung, innerem Frieden, Zufriedenheit und Kreativität verhelfen kann.  Die Untersuchungen von Harrison und Koppola haben auch ergeben, dass ein langes Meditationsmantra wirkungsvoller ist als eine kurze Silbe.  Mantra Shastra, die vedische Wissenschaft des Klangs würde jedoch sagen, dass dies von Person zu Person anders ist, und dass bei einem kurzen Mantra das Baby hört. Um die Wirkung der NSR-Meditation zu vertiefen, soll man alle 2, 3 Monate an stillen Meditationswochenenden teilnehmen und dort über eine längere Zeit an einem Stück meditieren und dazwischen Yogaübungen machen.

Vedic Meditation

Vedic Meditation wurde von Thom Knoles gegründet, der selber 25 Jahre lang TM-Lehrer war, TM jedoch 1997 verließ. Vedic Meditation wurde sogar schon von der TM-Organisation verklagt, weil sie mit dem Hinweis auf TM-Studien für sich Werbung macht. Knoles sagt, dass dieses Wissen jahrtausende alt ist und nicht TM gehört. TM weist daraufhin, dass die Wirkung von TM nur mit der entsprechenden Unterweisung durch einen autorisierten TM-Lehrer möglich ist.

RR („Relaxation Response“ – Entspannungsreaktion)

Auch wenn RR keine vedische Praktik ist, sondern ausdrücklich nicht spirituell, führe ich sie hier auf, weil sie durch TM inspiriert wurde. Herbert Benson von der Harvard Medical School wurde durch TM zum Meditationsforscher, als er 1967 von der TM Organisation angesprochen wurde, diese Form von Meditation zu untersuchen.  Benson soll selber nie eine TM-Einführung erhalten haben. Er entwickelte RR, abgekürzt für „Relaxation Response“, welche er und seine Kollegen in allen ihren Studien anwendet.  Die derzeitige Anleitung für diese Praktik geht wie folgt:

  1. Sitz ruhig in einer bequemen Position
  2. Schließe die Augen
  3. Entspanne Deinen Körper, indem Du eine progressive Muskelentspannung oder einen MBSR Body-Scan von den Füßen bis zum Kopf vornimmst.[2]
  4. Atme durch die Nase. Werde Dir Deiner Atmung bewusst. Beim Ausatmen, sage das Wort „eins“ oder einen anderen wohltuenden, sanften Klang, vorzugsweise ohne Bedeutung oder gedankliche Verbindung, um zu verhindern, dass unnötige Gedanken angeregt werden. Atme leicht und natürlich.
  5. Setze dies 20 Minuten lang fort.

Du kannst die Augen öffnen, um die Zeit zu prüfen, aber verwende keinen Alarm. 

Wenn Du fertig bist, sitz mehrere Minuten lang still, zunächst mit geschlossenen Augen und später mit geöffneten Augen. Steh ein paar Minuten lang nicht auf.

  1. Mach Dir keine Sorgen darüber, ob Du Dich tief entspannen kannst. Bleib “passiv” und überlass es Deinem Körper, wie schnell er sich entspannen will. Wenn ablenkende Gedanken aufkommen, beachte sie nicht und beschäftige Dich nicht mit ihnen und wiederhole wiederum das wohltuende Wort oder die Silbe.

Bibliographie

Chopra, Deepak. “Return of the Rishi”. 1991.

Frawley, David, “Yoga and the sacred Fire” Self-Realization and Planetary Transformation”. 2006.

Frawley , David, “Mantra Yoga and Primal Sound”. “ 2010.

Lola Williamson. 2010 “Transcendent in America. Hindu-Inspired Meditation Movements as New Religion” 2010.

[1] Über die bekanntesten Shakti Bija-Mantren können Sie in David Frawley’s Buch „Mantra Yoga and Primal Sound“ mehr erfahren. Darüber, ob Frawley, der derzeitige Chef-Meditationstrainer am Chopra Center, je Verbindungen zu TM hatte, habe ich keine Informationen.

[2] Die progressive Muskelentspannung (PMR, Progessive Muscle Relaxation) wurde in den Zwanziger Jahren von Edmund Jacobson entwickelt und besteht darin, die Muskeln systematisch anzuspannen und dann wieder loszulassen.

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