Künstliche Intelligenz – das sind wir

Deepak Chopra, 30. Oktober 2017

Angesichts immer neuer Fortschritte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz sind sich Viele nicht sicher, ob sie diese Technik willkommen heißen oder fürchten sollen.  Wissenschaftler warnen vor einer Zukunft der sich selbstständig machenden Supercomputer. Maschinen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen, könnten Katastrophen und Kriege auslösen. Auch bei alltäglichen Arbeiten ersetzen Roboter Menschen immer mehr.  Die meisten Tätigkeiten können von einer Maschine billiger und schneller durchgeführt werden als von einem Menschen. Diese Entwicklung ist Grund zur Sorge aber auch Chance.

Menschen handeln jetzt schon wie Roboter

Die Ironie ist, dass die größten Gefahren, die von künstlicher Intelligenz ausgehen, bereits jetzt durch unsere menschliche Intelligenz bestehen. Einerseits spüren wir intuitiv, dass wir eine natürliche Intelligenz sind. Wir sind nicht aus Maschinen zusammengeschraubt worden, haben Gefühle und Aha-Momente und können über uns selbst nachdenken. Andererseits ist die alltägliche menschliche Intelligenz vielfach falsch, leblos, willkürlich oder wie vorprogrammiert.

Denkst Du selbstständig oder befolgst Du mentale Software?

Wenn wir in selbstzerstörerische Gewohnheiten verfallen, aus denen wir nicht ausbrechen können, sind wir wie Roboter. Wenn wir aggressiv, ängstlich oder feindselig handeln, sind dies Reaktionen, die aus den primitiveren Regionen unseres Gehirns kommen und wir sind dann wie biologische Automaten. Wenn wir willkürlichen Wertesystemen folgen, miteinander konkurrierenden Religionen oder politischen Ideologien, und nicht mehr selbstständig denken, überlassen wir unser Leben einer vorprogrammierten mentalen Software.

Der Mensch ist eine viel größere Bedrohung für die Menschheit als jeder Supercomputer

Die Kreativität der menschlichen Intelligenz ist ein zweischneidiges Schwert. Jeder wissenschaftliche und technologische Fortschritt wird zumeist auch für Zerstörung und Krieg genutzt oder führt zu Umweltverschmutzung und anderen Bedrohungen für die Natur. Der Mensch ist eine sehr viel größere Bedrohung für die Welt als jeder Roboter oder Supercomputer, weil er die Kontrolle so viel verhängnisvoller verlieren kann.

Warum lebst Du wie ein Roboter?

Die Frage ist, warum wir auf der Grundlage von veralteten, ungeprüften Überzeugungen, festgefahrenen Gewohnheiten und Routinen ein vorprogrammiertes, roboterhaftes Leben führen.

Die Forschung über künstliche Intelligenz sollte nicht nur logisch handelnde Maschinen bauen. Da die Welt durch menschliche Torheit, Konflikte und selbst herbeigeführtes Leid bedroht wird, ist es in unserem Interesse herausfinden, was natürliche Intelligenz ist.

Was ist natürliche Intelligenz?

Die Lösung ist, uns selbst auf neue Weise kennen zu lernen.  Wenn wir alles Künstliche, Willkürliche und Belastende abwerfen, was bleibt übrig? Das Erleben.
Es klingt verrückt, aber Niemand weiß so richtig, wie wir etwas erleben. Wir sind selber zu sehr darin verwickelt und zu ruhelos.

Erlebnisse sind vergänglich. Sie kommen und gehen. Wir wissen nicht, wie oder warum sie passieren. Wenn Du kein Roboter bist, ist Dein nächster Gedanke unvorhersehbar.

Du hast Deine Welt erschaffen

Um zu verhindern, dass das Leben vollkommen unvorhersehbar wird, erschaffen wir mit unserem Gehirn seit Millionen von Jahren eine Wirklichkeit, die wir die menschliche Welt nennen. Diese Welt beruht auf unserer Wahrnehmung durch die fünf Sinne und darauf, dass wir die Deutung dieser Wahrnehmungen und die damit verbundene Geschichte teilen. Ob wir die Welt mit denselben Augen sehen oder nicht, die von uns geschaffene Wirklichkeit ist willkürlich und das Ergebnis einer riesigen Rückkopplungsschleife:

Wir glauben, was wir sehen und wir sehen, was wir glauben.

Diese Rückkopplungsschleife ist so mächtig, dass sie sogar den Schein von Zeit, Raum, Materie und Energie erzeugt.

Wenn wir nicht mehr nur das glauben, was wir sehen bzw. nicht mehr nur das sehen, was wir glauben, ist dies ein Neuanfang. Mit Denken können wir dieser Schleife nicht entkommen. Das wäre wie ein Hamster, der schneller im Laufrad rennt, um damit an einen anderen Ort zu gelangen. Computer werden genau so wenig mit künstlicher Intelligenz zum Menschen wie Menschen sich mit Gedanken von ihren Gedanken befreien.

Gedanken sperren ein

Wenn die von Dir erschaffene Wirklichkeit Dich gefangen hält, wo beginnt dann die tatsächliche Wirklichkeit? Die tatsächliche Wirklichkeit beginnt mit etwas Bleibendem, unbeeinflusst von Gedanken und deren lähmenden, einsperrenden Wirkung.

Erlebnisse kommen und gehen. Das Bewusstsein jedoch bleibt unverändert. Auch wenn wir den nächsten Gedanken nicht vorhersehen oder kontrollieren können, sind wir uns dieses Gedankens doch bewusst. Ein Gedanke ist ein Funke des Bewusstseins, der kommt und geht. Auch komplexere Gedankengebilde wie das Gedächtnis, eine Theorie, Philosophie, Religion, Technologie oder unsere Geschichte sind Funken des Bewusstseins. Sich mit diesen Gedanken zu identifizieren ist problematisch, da sie sich verändern, eingrenzen, verschwinden und von ähnlich vergänglichen Dingen abgelöst werden können.

Angst kommt daher, dass wir uns mit Vergänglichem identifizieren

Wenn wir uns nicht mit etwas Vergänglichem identifizieren, sondern mit etwas Bleibendem, gäbe es keine Angst, Unsicherheit, Konflikte und Verwirrung mehr. Im Bewusstsein zu ruhen bedeutet, dass wir an die Vergänglichkeit nicht glauben. Vergänglichkeit ist die Quelle aller Illusionen.

Die größte Illusion ist, dass das Leben vergänglich ist und es vom Schreckgespenst des Todes bedroht wird.

Alle Illusionen gehen auf diese Illusion vom Tod zurück. In Wirklichkeit ist das Leben Bewusstsein und deshalb nicht das Gegenteil vom Tod.

Sterben ist der Teil der Vergänglichkeit, den wir am Meisten fürchten. Jede Nacht, wenn wir einschlafen, verschwindet zwar das Erleben jedoch das Bewusstsein bleibt.  Was wir aufwachen nennen ist die Rückkehr von Gedanken, Empfindungen, Bildern und Gefühlen. Während des Schlafs sind  das Gehirn und das zentrale Nervensystem ständig aktiv. Jede Zelle lebt und nichts ist unbewusst. Nur das Erleben hört auf, wenn wir einschlafen, nicht aber das Bewusstsein, welches das Erleben möglich macht.

Du bist nicht Deine Gedanken

Das Künstlichste an der menschlichen Intelligenz ist der Irrglaube, dass wir unsere Gedanken sind. In dem Fall wäre jedoch Vergänglichkeit unsere einzige Wirklichkeit. Glücklicherweise können wir das, was wir glauben, ändern. Spirit, Seele, Gott und Erleuchtung widersprechen der Vorherrschaft der Gedanken und dem vergeblichen Versuch, eine von Gedanken erschaffene Wirklichkeit zu vervollkommnen. Auch wenn Gedanken vollkommen glücklich machen könnten, wären wir weiterhin in einer Illusion gefangen.

Die einzige Möglichkeit, ein freier Mensch zu sein, ist sich mit dem Bewusstsein zu identifizieren.

Jenseits aller Vergänglichkeit schenkt das Bewusstsein die Hoffnung auf ein vollkommen natürliches Leben.

übertragen aus dem Amerikanischen Original   „Artificial Intelligence is already here – it is us“ von Joachim Schneider

1 comment to Künstliche Intelligenz – das sind wir

  • Bärbel Joos

    Ja, das erst macht absolut frei: zu wissen, dass meine Gedanken und Emotionen nur ein Weg der Wahrnehmung sind, dass es mein Bewusstsein ist, das da quasi drüber steht… Dass das ewig ist. Danke für die schöne Zusammenfassung!!!

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