Buddhismus

Joachim Schneider

Deepak Chopra verbrachte schon mehrere Wochen in einem Buddhistischen Kloster, hat ein Buch über Buddha geschrieben und spricht oft über ihn. Die Frage, ob er ein Buddhist ist, verneinte Deepak Chopra jedoch 2007 und sagte in einem Interview dazu Folgendes:

„Buddhisten sind in verschiedene, oft streng geführte Gedankenschulen gespalten. Ich bin kein Buddhist, weil Buddha meiner Meinung nach selber an keine Lehre glaubte. Er wollte praktische Methoden zeigen, wie wir selber zu diesen Erkenntnissen gelangen können. Er war weltlich spirituell. Er sprach nie über Gott und viele dachten, er sei ein Atheist.“

Auch wenn Chopra immer mal auf buddhistische Konzepte eingeht, werden die Philosophie des Buddhismus, die drei Gefährte oder der Weg der Achtsamkeit am Chopra Center bei der Ausbildung zum Primordial Sound Meditationslehrer nicht gelehrt. Lesen Sie mehr über Deepak Chopras Philosophie in Ist Deepak Chopra New Age, Buddhist, Hindu?

Ein Buddhist werden?

Bei aller Beliebtheit für den Buddhismus riet der Dalai Lama noch 2001 Menschen im Westen davon ab, zum Buddhismus überzutreten.  

„Im Westen halte ich es nicht für sinnvoll, dem Buddhismus nachzufolgen. Seine Religion zu ändern ist nicht wie einen Beruf zu wechseln. Die Begeisterung lässt mit der Zeit nach und bald bist Du nicht mehr begeistert und wo bist Du dann? Obdachlos in Dir.“

Aus dem Buch “Tibet , Tibet”,  2004 von Patrick French, während einer Rede an der Catholic University in the United States in 2001.

Dieser Rat des Dalai Lamas bezog sich wahrscheinlich nicht nur auf den Buddhismus, sondern auch auf andere Religionen, die im Westen nicht heimisch sind, wobei die östlichen Religionen auch im Western immer mehr Gleichgesinnte finden.

Es folgt ein Überblick über die Philosophie des Buddhismus und die drei Gefährte.

Philosophie

Wir leiden, weil wir an weltlichen Freuden anhaften, unangenehme Situationen verdrängen oder den tieferen Sinn des Lebens nicht erkennen, sagt der Buddhismus. Anstatt unliebsame Bedürfnisse oder Gefühle, wie Hass oder Gier zu unterdrücken oder auszuleben, gilt es sie zu benennen, ihren Ursprung zu ergründen und sie als leer zu erkennen. Aufgrund unseres Karmas, den Auswirkungen die unser Handeln und Denken haben, empfiehlt der Buddhismus achtsam, gewaltfrei und unvoreingenommen zu sein.  Das Ziel ist, Mitgefühl und Güte in sich zu finden, eins mit allem zu werden und zu erlöschen, um eine Wiedergeburt zu vermeiden.

ohne Gott

Der Buddhismus kennt keinen Gott. Mit Ausnahme der Mahayana Buddhisten, welche die indischen Gottheiten Tara, Saraswati und Ganescha verehren, erschafft im Buddhismus jeder Mensch seine Welt selber. Buddhisten glauben auch nicht an Buddha oder beten ihn an. Dies zu tun verhindert die Erleuchtung, sagte Buddha, welcher als der „Erwachte“ gesehen wird und nicht als Gott. Buddhismus ist keine Glaubensreligion, sondern eine unabhängige, intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Ziel, sich zu befreien.

ohne Seele

Um das Beste aus diesem Leben zu machen, anstatt auf das nächste zu hoffen, kennt der Buddhismus auch keine Seele. Statt der Seele werden bei einer Wiedergeburt Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle auf den neuen Körper übertragen.

ohne individuelles Ich

Auch gibt es kein individuelles „Ich“ oder eine Persönlichkeit. Der Gedanke etwas einzigartiges zu sein, ist für die Erleuchtung nur hinderlich und macht unbeweglich.  Das “Ich” ist keine getrennte Einheit sondern entsteht aus dem sozialen Zusammenhang heraus. Erleuchtet ist jemand, der alle Vorstellungen von einem  „unabhängigen Ich“ überwunden hat. Eine Ausnahme hierzu ist Zen, der genau wie Advaita Vedanta nach Adi Shankara nach einem höheren Ich jenseits von Zeit und Raum strebt.

Sexualität

Sex ist im Buddhismus dazu da, Ausgeglichenheit, Weisheit (prajna) und Güte (metta) hervorzubringen. Sex zwischen zwei Menschen, die sich lieben, ist moralisch gerechtfertigt, ob sie verheiratet sind oder nicht.  Wie enthaltsam ein Mensch sein möchte, ist jedem selber überlassen. Für Mönche und Nonnen soll jede Form von Sex einschließlich der Selbstbefriedigung verboten sein und stellt einen Grund für den Ausschluss aus dem Kloster dar.

Drei „Gefährte“

Im Buddhismus gibt es drei verschiedene „Gefährte“ („Yanas“), um den Fluss des Leidens zu überqueren.  (1) Mahayana Buddhismus, das “große Gefährt ”, ist der  “Pfad der Ansammlung” von Verdiensten, (2) Hinayana Buddhismus, das “kleinere Gefährt” ist der ”Pfad der Enthaltsamkeit”, größtenteils praktiziert im Theravada Buddhismus. (3) Vajrayana Buddhismus, der “Donnerkeil” oder „Diamantweg“, ist der “Pfad der Ergebnisse“, bei dem Wünsche dazu verwendet werden, das Bewusstsein auszuweiten.

Mahayana ( „das große Gefährt“)

Mahayana ist das „große Gefährt“ des allumfassenden Mitgefühls, welches möglichst viele Menschen befreien soll. Das Ziel ist es, ein „Bodhisattwa“ zu werden, jemand der wiedergeboren wird, um anderen dabei zu helfen, sich zu befreien. Zum Mahayana gehören Zen, Vajrayana, im Westen als Tibetanischer Buddhismus bekannt,  Dzog Chen und „reines Land“. Die Meditationen sind eine Mischung aus Vipassana und Samatha, einer “gedanklichen  Konzentration, um das Gemüt zu beruhigen”. „Reines Land“ legt mehr Wert auf Singen und das Rezitieren von Mantren. Zuweilen werden im Mahayana Buddhismus sogar die im Hinduismus verehrten Götter Tara, Saraswati oder Ganesha angebetet.   Der Dalai Lama als Oberhaupt des Tibetanischen Buddhismus ist ein Vertreter des Mahayana Buddhismus. Praktiziert werden Meditation, Rituale und Singchoräle.  Mahayana ist in Vietnam, Japan, Tibet, Bhutan, Taiwan, China, Korea, der Mongolei und in Teilen Russlands verbreitet.

Zen

„Zen“, auf Chinesisch „Chan“  stammt von  „Dhyana“, „Konzentration“ im Sanskrit, und ist der japanische Name einer im 6. Jahrhundert in China entstandenen Schule, die zum Mahayana gehört. Im Zen ist alles Gott. Wissen und gesellschaftliche Regeln sind nicht wichtig. Ideen und Techniken werden danach beurteilt, ob sie die Selbstverwirklichung befähigen. Neben “Zazen” was „sitzender „Zen“ oder „Sitzmeditation“ auf Japanisch bedeutet, gehören auch die Teezeremonie, die Kalligraphie, Ikebana, die Gehmeditation nach Thich Nhat Hanh und „Koans“, widersprüchliche Fragen zum Zen.

Vajrayana

Vajrayana ist der „Donnerkeil“  Pfad der “Ergebnisse“. Diese in Indien entstandene Strömung des MahayanaBuddhismus wird auch Tantrayana, Mantrayana oder Lamaismus genannt und ist im Westen als Tibetischer Buddhismus bekannt.

Vajrayana nutzt die Energie unserer Wünsche, um Erleuchtung in diesem Augenblick zu finden. Enthaltsamkeit, Reinigung oder Verwandlung sind nicht notwendig. Stattdessen soll man das, was jetzt ist, annehmen, ohne es zu beurteilen, bis man sich selbst verwirklicht. Meditation, Mantrensingen, Körperübungen, tantrische Einweihungen, Visualisationsrituale und die Verehrung der Göttinnen, welche für die kreativen Energien in uns stehen, dienen dazu, die Urkraft der Natur zu nutzen. Die Praktiken werden von einem Lama, einem erleuchteten Meister im Rahmen eines geheimen Rituals angeleitet, um die Praktik nicht unserem persönlichen Denken anzupassen und um zu vermeiden, dass sie falsch angewandt werden.

Buddha selbst lehrte den König Tantra, um die Energie menschlicher Bedürfnisse für die Erleuchtung zu nutzen. Buddhistischen Tantra-Übungen sind zumeist nicht sexueller Natur, sondern Visualisierungen und die meisten tantrischen Meister im Vajrayana Buddhismus sind Asketen. Das von Buddha gelehrte „innere“ Samaya Tantra kann getrost Schulkindern beigebracht werden. Philosophisch ähnelt Vajrayana dem Advaita-Vedanta. Der Dalai Lama sagt, dass tantrische Praktiken erst dann angewandt werden sollen, wenn ein Mensch eine Grundlage von Leere und Mitgefühl geschaffen hat.  Siehe diesen Artikel des Dalai Lama über Buddhistisches Tantra

Vajrayana wird in Tibet, der Mongolei und mittlerweile auch in China und Japan praktiziert. In Bhutan ist Vajrayana sogar Staatsreligion.

Dzogchen

Im Tibetanischen Buddhismus entdecken wir “Dzogchen“, die „große Vollkommenheit“ durch den Körper, die Stimme und den Geist. Das Ziel ist, zu seinem natürlichen Zustand zurückzukehren, ohne etwas annehmen, ablehnen, wissen oder glauben zu müssen. Dzogchen wird in persönlicher Anleitung von einem Dzogchen Meister erlernt. Auch wenn die Praktik keiner Kultur gehört, ist sie doch die Essenz der Tibetanischen spirituellenTradition, sagt Chögyal Namkhai Norbu in dem Buch „The Crystal and the Way of Light“.

In der Dzogchen-Meditation geht es um das Erkennen von Lauten und Vokalen, von Formen und Farben,  ohne sie als Wort oder Bild wahrzunehmen, in dem man in den Zwischenraum zwischen Momenten des Sehens, Hörens, der Vorstellung und des Denkens geht. Praktizierende meditieren in völliger Dunkelheit und Stille, unbeweglich mit geradem Rücken sitzend, mit den Händen entweder im Schoß oder leicht auf den Knien ruhend. Die Sinne bewegen sich nicht und die Augen sind halb offen. Der Geist bewegt sich auch nicht. Er denkt nicht aktiv an die Vergangenheit oder Zukunft oder analysiert sie. Man ruht im Augenblick ohne Gedanken, die aufkommen, weiterzuverfolgen. Der verständnisvolle Fokus auf das Kommen und Gehen von Gedanken bringt uns zu dem Raum zwischen den Gedanken. Es gibt kein getrenntes „Ich“. Mit einem aufmerksamen Geist kommen wir zur Ruhe und dringen zur Wurzel eines Themas vor. Teil der Dzogchen Praktik sind auch tantrische Übungen und Mantrenrezitation.

Theravada Buddhismus

Theravada, der „Pfad der Entsagung“ auch genannt „die Lehre der Älteren“,  folgt in den Fußstapfen des geschichtlichen Buddha und ist die älteste Form des Buddhismus.  Im Theravada Buddhismus gibt es Dutzende von Methoden, um Achtsamkeit und Konzentration zu wecken wie ”Gewahrsein”, “klares Verständnis”, “Wachsamkeit”, “Beachtung”, “Aufmerksamkeit”,  “Ruhiges Verweilen” („Shamatha“),  ”Betrachtung” oder „Erkenntnis“ Vipassana.

Theravada ist Teil des kleinen Gefährts“ von Hinayana, mit dem man dem Ego seine Wünsche entreißt, um dadurch dem Leiden ein Ende zu bereiten. Theravada Mönche werden mit Almosen von der umliegenden Gemeinschaft unterstützt. Theravada wird heute noch in Sri Lanka, Burma, Kambodscha, Laos, Thailand und in Teilen Vietnams praktiziert.