Hinduismus

Es gibt Tausende von Göttern im Hinduismus, die größtenteils aus den vedischen Schriften und den Nationalepen Indiens übernommen wurden. Hindus haben unterschiedliche Vorstellungen darüber, an welchen Gott sie glauben sollen. Es gibt keine Institution, die eine bestimmte hinduistische Glaubenslehre vorgeben könnte. Die Ansichten über Gott, das Leben, Tod und Erlösung hängen vom jeweiligen  “Guru“ einer Organisation ab.

Karma

Worin sich Hindus einig sind, ist, dass unser jetziges Leben das Ergebnis unserer Handlungen, also unseres Karmas ist und der Mensch wiedergeboren wird.  Unser Verhalten in früheren Leben wirkt sich entscheidend auf  das jetzige Leben aus. Durch gute Taten können wir eine bessere gesellschaftliche Stellung im nächsten Leben erlangen und uns vom Kreislauf der Wiedergeburten befreien.

Hindustische Glaubensrichtungen

Die 4 zahlenmäßig bedeutendsten Glaubensrichtungen im Hinduismus sind (1) Vaishnavas, (2) Shaiviten, (3) Shaktiten und (4) Smartisten.

Vaishnavas

Vaishnavas sind die größte Gruppe im Hinduismus. Sie verehren Vishnu, den Bewahrer, der alles durchdringt und das Universum bewahrt. Vishnu heißt auch „Narayana“, der „Schutz“ und „Ruheort“. Alles ist Gott. Zwischen uns und anderen Menschen besteht kein Unterschied.  Ob wir diesen Partner oder diese Stelle bekommen oder ein anderer, spielt keine Rolle. Auch wenn wir nicht reich oder erfolgreich sind, sollen wir uns mit denen freuen, die es sind. Alles, was passiert, ist Gottes Wille. Es gilt, sich daher vollkommen dieser Situation hinzugeben. Der Bhakti Yogi Narada in den Narada Bhakti Sutren (siehe unten) widmet sein ganzes Tun Gott, um sich zu befreien. Es gilt, vollkommen loszulassen und unabhängig vom Ergebnis zu handeln oder davon, ob das, was man tut, gesellschaftlich akzeptiert wird oder nicht.

Zum Ausweiten des Bewusstseins wird empfohlen, die 1000 Namen Vishnus aus dem Vishnu Sahasranamam zu wiederholen und das Shrimad Bhagavatam oder die Bhagavad Gita zu lesen.  Jemand, der den Namen Vishnus oder Krishnas ausspricht, ist ein Ghaudiya Vaishnava.

Vaishnavas meditieren darüberhinaus mit Mantren, singen Kirtan, tanzen und gehen zum Tempel. Die Rishis und auch die Entdecker der Astrologie wie Parashara waren Vaishnavas. Vaishnavas nehmen die vedischen Schriften wörtlich, im Gegensatz zu den Smartisten.  Die Saddhus, die Asketen,  haben einen Fleck auf der Stirn, einen Discus (Chakra) und eine Muschel bei sich  oder andere Symbole Vishnus. Sie heißen Vairagin. Vaisnava Mönche sind kahlrasiert mit Ausnahme eines Flecks am Hinterkopf.

Auch wenn das Leben voller Mühen ist, gilt es als Vaishnava, (1) den Gedanken loszulassen, dass das Leben angenehm ist, (2) unabhängig vom Ergebnis losgelöst zu handeln (Steinbock), (3) sich vom Bedürfnis nach gesellschaftlicher Akzeptanz oder „sollte“ Gedanken zu lösen (Wassermann) und (4) davon, sich gut fühlen zu müssen (Fische).  Die 1000 Namen Vishnus im Vishnu Sahasrama,  die Narada Bhakti Sutren, das Shrimad Bhagavatam und die Astrologie als spiritueller Pfad helfen uns, das Leben so anzunehmen, wie es ist und uns über das Glück anderer zu freuen, auch wenn wir im Regen stehen.

Hare Krishna Bewegung

Zu den Vaishnavas gehören auch die Gaudiya Vaishnavas und damit auch die Hare Krishna Bewegung. Krishna ist für diese Bewegung der oberste Gott. Das Hare Krishna Mantra, welches in ganz Indien beliebt ist und von den verschiedensten religiösen Gruppen gesungen wird, wird in dieser Bewegung täglich 16 mal jeweils 108 mal gesungen, um sich zu befreien und die Energie zu finden, neue Anhänger anzuwerben. Darüberhinaus soll man die Bhagavad Gita lesen und Rama, die Sonne oder Narasimha, den „Menschlöwen“ verehren.

Im Gegensatz zu den Vaishnavas, welche keine Asketen sind, setzt die Hare Krishna Bewegung auf Enthaltsamkeit. Verboten sind Fleisch, Alkohol, Schokolade, Kaffee, Glücksspiel und Sex, außer in der Ehe und dort nur zu Fortpflanzungszwecken. So ein eingeschränktes Leben und die eigenwillige Haarpracht machen die Hare Krishna Bewegung in den Augen vieler zu einer Sekte.

Narada

Narada,  womöglich von „năra“ („Held“ „Mann“ „Mensch“), unter den Vaishnavas eine erhöhte Seele, ist der weise Reisende, der entfernte Welten besuchen kann. Er hat ein Khartal, ein indisches Schlaginstrument und eine Vina, ein gezupftes Seiteninstrument und singt Mantren und Gebetsgesänge für Vishnu unter dem Namen „Hari“ und „Narayana“. Als seine Mutter starb , entschloss er sich dazu,  auf der Suche nach Erleuchtung im Wald zu leben. Er saß hierzu unter einem Baum und meditierte.  Mit Vishnu in seinem Herzen erschien ihm Narayana.

Narada Bhakti Sutra

Die höchste Liebe zu Gott macht wunschlos glücklich, vollkommen zufrieden und unsterblich.  Frei von Trauer und Hass, Sehnsucht und Eifer, soll man in Enthaltsamkeit, Wahrhaftigkeit, Reinheit, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Freundschaft alles hingeben.  Für Chaitanya war Krishna der einzige Gott und alle Gebete sollten an ihn gerichtet werden. Um Gott für sich zu gewinnen, soll man ihn lieben wie einen Diener, einen Freund, ein Kind und einen Liebhaber und vergessen, dass er ein Gott ist.   Die Lehrer der Hingabe sind Sanatkumara, Vyasa, Suka, Sandilya, Garga, Vishnu, Kaundinya, Sesha, Uddhava, Aaruni, Bali, Hanuman, Vibhishana und andere.

Avatare Vishnus

Vishnu wird in der Form von 10 verschiedenen Avataren  verkörpert. „Avatar“ heißt „herunterkommen“ und ist in diesem Zusammenhang eine Darstellung eines übermenschlichen Wesens, Gottes oder der Seele in einer anderen Form.

Laut Aurobindo stellen diese Avatare ein Entwicklung vom Tier, zum Halbmenschen, Krieger, Weisen bis zur Zeit dar.  Varaha ist der Eber, Matsya der Fisch,  Kurma, die Schildkröte, Narasimha, der „Löwenmensch“,  Vamana, der Zwerg, Parashurama, der Krieger mit der Axt, Rama, der Gesetzeshüter und König, Buddha bzw. Balarama oder Rishabhanatha, der Weise, Krishna, der alle Gegensätze in sich vereinende Flötenspieler und Kalki, die Zeit in der Form eines Reiters auf einem weißen Pferd. Die schöne Mohini ist der weibliche Avatar Vishnus, der den Nektar der Unsterblichkeit finden will.

Die bekanntesten Avatara Vishnus unter den Vaishnavas sind Krishna, Rama, Narayana and Vasudeva.  Vasudeva war der Vater Krishnas, dessen Zwölfsilbenmantra  „Oṁ Namo Bhagavate Vāsudevāya, Ehre sei Vāsudeva, als das älteste Mantra der Vaishnava Tradition gilt.

Avatare von Vişnu
Planet Avatar Energie
Sonne Rama (ehrenhaft, König) Surya (Sonne), Agni (Feuer)
Mond Krishna (Flötenspieler) Soma (Nektar), Varuna (Ozean, Himmel)
Mars Narasimha („Löwenmensch)“ Kuja (Erde), Kartikeya (7 Tage alter General)
Merkur Buddha, Balarama (achtsam) Vişnu (Bewahrer)
Jupiter Vamana (Zwerg) Bṛhaspati (Priester) Indra (Donnerkeil)
Venus Parashurama (Axtkrieger) śukra („leuchtend“)
Saturn Kurma (Schildkröte) śani (Krähe, Aasgeier)
Rahu Varaha (Eber) Durga (die auf dem Löwen reitende)
Ketu Matsya (Fisch) ganeśa (gnädiger Überwinder), Kalki (weißes Pferd)

ś wird wie „Sch“ in „Ski“ ausgesprochen. ş, wie das „Sch“ in „Schuhe“

Shaiviten

Die zweitgrößte hinduistische Glaubensrichtung sind die Shaiviten, die Anhänger Shivas. Shiva wird sowohl als Asket und Meditierer als auch als Phallus der Männlichkeit, Kreativität und Initiative verehrt. Shaiviten tragen Asche auf dem Haupt und sind auf Wanderschaft. Shiva wird häufig in der Meditation sitzend dargestellt, weshalb Shaiviten Hatha Yoga, Kriya Yoga, Siddha Yoga, Sadhanas und andere meditative Praktiken ausüben. Diese Übungen sollen die Kundalini, die Lebensenergie entlang der Wirbelsäule, nach oben bringen und die Nadis, die Kanäle an Information und Energie, reinigen. Ein Shaivitischer Saddhu, ein Mönch hat einen Dreizack bei sich oder schmiert sich mit geweihter Asche ein. Die Asketen auf dem Shiva Pfad heißen Sannyasin. Ein Shaivitischer Mönch lässt sein Haar und seinen Bart wachsen.

Shaktas

Die „Shaktas“ verehren die göttliche Mutter und die weiblichen Gottheiten Durga, Lakshmi, Sarasvati, Parvati, Kali und Devi, um die Gegensätze von Männlichkeit und Weiblichkeit, von Ursache und Wirkung, Körper und Geist zu überwinden. Im Gegensatz zu Adi Shankaras Vedanta ist die fassbare Wirklichkeit für Shaktas keine Illusion, sondern eine bewusste Macht. Tantra, Mantra, Yantra und Chakra, Körperübungen (“Asanas”) und Feuerrituale („Puja“) sollen die Kundalini aufwecken. Der bekannte vedische Autor David Frawley und seine Frau Shambavi Chopra, neuerdings Ausbilder der Meditationslehrer am Chopra Center, haben eine Reihe an Büchern über die  „Göttin“ und damit verbundene tantrische Praktiken geschrieben.

Smartisten

Im Gegensatz zu den Vaishnavas, Shaiviten und Shaktas, welche sich auf die Veden stützen, betonen die Smartisten die von „Menschen“ („Smriti“ ) geschriebenen Texte, wie die Puranas, die sechs Vedāngas (Zusatzwissenschaften der Veden), die Volksepen, das Mahābhārata und das Rāmāyana. Smartisten sind die für andere Weltanschauungen aufgeschlossensten Hindus. Sie sind auf dem Pfad der Erkenntnis, dem Jnana Yoga. Als Anhänger von Advaita Vedanta nach Adi Shankara glauben Smartisten, dass alles Gott ist. Sie verehren das Göttliche wahlweise in Form der 6 Gottheiten Ganesha, Shiva, Shakti, Vishnu, Surya oder Skanda und akzeptieren auch alle anderen Götter.

Unter den großen Hindusekten den Vaishnavas, den Shaiviten, Shaktas und Smartisten, würde Chopra am ehesten zu den Smartisten passen. Diese berufen sich ebenfalls auf Adi Shankara, wobei Smartisten nur unter indischen Gottheiten auswählen dürfen, welche sie verehren wollen, während Chopra Weisheitstraditionen und Religionen aus aller Welt zur Weiterentwicklung heranzieht.

Yoga, Kaste und Ashram

Die ursprünglich  in den vedischen Lehren beschriebenen 4 Yoga Wege, das Konzept der Kaste und die 4 Ashrams des Lebenswegs und die 4 Lebensziele sind auch alle fester Bestandteil des Hinduismus.