Kleinod

In seinem Buch  „Das Kleinod der Unterscheidung“, einer Pflichtlektüre für angehende Primordial Sound Meditationslehrer am Chopra Center, beschreibt Adi Shankara seine Weltanschauung wie folgt:

Das Bewusstsein ist grenzenlos

Gott und Mensch, „ich“ und „Du“, „Atman“, die „Seele“ und „Brahman“, die Weltseele, das individuelle und das universelle Bewusstsein sind nicht voneinander getrennt, sondern „advaita“, „eins“.

“„Der Mensch ist so lange der Furcht unterworfen, wie er noch den geringsten Unterschied zwischen sich und dem unendlichen Brahman sieht“. Da sie uns von einander trennen sind „Ich“, „mein“, „Du“ und  „dies“ eine „tödliche Schlange“, die Dich „grausam und unablässig angreift und fesselt.“

Das scharfe Schwert der Erkenntnis

„Diese Fessel wird nicht durch Waffen, Wind, Feuer oder durch Millionen von Handlungen durchbrochen. Nur das scharfe Schwert der Erkenntnis kann diese Fessel durchschneiden.“  Wenn wir erkennen, dass das individuelle und universelle Bewusstsein eins sind, löst sich das begrenzte Ich und der gefühlte Mangel an Zeit und Geld auf. Ein grenzenloses Bewusstsein zu haben, heißt erleuchtet zu sein, und unberührt vom „Auf“ und „Ab“ des Lebens und frei von Angst und Leiden, grenzenlose Liebe, Wachheit und wunschlose  Glückseligkeit zu erleben.

Ich bin das Universum

„Der Narr denkt: Ich bin der Körper. Der Kluge denkt: Ich bin eine mit dem Körper verbundenen individuelle Seele.“

Nur der Weise hat die Erkenntnis, „Ich bin Brahman.“, ich bin das grenzenlose Bewusstsein. „Ahambramasmi“, ich bin das Universum. Der Körper und das „Ich“ sind in Wirklichkeit nichts als reines Bewusstsein.“

Formlos

Das grenzenlose Bewusstsein  ist „nirguna“ ohne Eigenschaften, ohne Gestalt, Name, Religion, Abstammung, ohne Raum und Zeit und ohne Vergangenheit.

„Höre auf, Dich in Deiner Rasse, Familie, Gestalt und sozialen Stellung wiederzuerkennen. Welle, Schaum, Wirbel, Strudel sind alle Wasser.“

 

 

Ewig

Das grenzenlose Bewusstsein ist unzerstörbar, ungeboren, nie gestorben und „unwandelbar ewig“. „Es vergeht nicht, wenn sich der Körper auflöst.

„Vergeht die Luft, wenn der Krug zerbrochen ist, der sie enthielt?“

Wirklich ist nur das, was sich nicht ändert

Die mit den 5 Sinnen fassbare Wirklichkeit ist ein Traum, eine Illusion, „Maya“. „Die Fata Morgana eines Flusses kann unseren Durst nicht löschen.“

Die Welt ist in mir

Krishna sagt, „ich selbst bin in keinem Geschöpf, doch alle Geschöpfe sind in mir.“ Wenn „Ich“ das Universum bin, dann ist die Welt in mir.

Ständiger Beobachter

„Ich“ bin das alles durchdringende Bewusstsein, der innere Zeuge all meiner Handlungen.“

„Das grenzenlose Bewusstsein schaut dem Ich und allem anderen zu, es ist immer gegenwärtig, selbst im tiefen Schlaf.“

Deepak Chopra und auch Maharishi Yogi nennen diesen Zustand das kosmische Bewusstsein.

Göttlich

Das grenzenlose Bewusstsein ist göttlich. Jedes Lebewesen ist Gott in Verkleidung. Die Wahrheit ist in jedem Menschen und Tier, in jeder Pflanze, jeder Religion und Kultur zu finden. Es gilt deshalb den Weg eines Jeden wertzuschätzen und Jeder soll seinen einzigartigen Weg gehen.

Form

Auch wenn Gott  „nirguna“, formlos ist, kann er doch „saguna“,  Form haben. Wenn man Gott in einer bestimmten Form verehrt, beispielsweise als Ganesha, dann, weil Ganesha eine für den Betreffenden ansprechende Form des grenzenlosen Bewusstseins darstellt und nicht weil er eine übergeordnete Gottheit ist.

Diese Welt besteht wegen Dir

„Ich habe keinen anderen Herrn als mich selbst.“

„Die Gedanken schaffen aus eigener Kraft ein ganzes Weltall von Subjekt und Objekt, sowohl im Wachzustand als auch im Traum.“

Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidung

„Der Mensch bedarf der Leidenschaftslosigkeit  und Unterscheidung, wie der Vogel seiner beiden Flügel“. Die Gedanken sind sowohl die Ursache der Bindung des Menschen an eine objektive Welt als auch seine Befreiung.

„Zufriedenheit, Mitleid, Vergebung, Rechtschaffenheit, Gleichmut, Geduld, Wachsamkeit, Meditation, Kontemplation und andere geistige Übungen“ dienen dazu, das grenzenlose Bewusstsein zu finden. Das Ziel ist eine „ununterbrochene Verbindung mit dem Atman, die von keinem Gedanken abgelenkt wird.

„Töte den Haifisch der Sinneslust“

„Geh nicht den Weg der Welt, des Fleisches oder der Tradition“. „Wir tragen niedrige Triebe  wie Schmutz in uns“, die wie eine „eiserne Kette, die Füße derjeniger fesseln, die dem Gefängnis entrinnen wollen.“

Um Dich zu befreien, strebe „die vollkommene Loslösung von allen nicht ewigen Dingen“ an.  „Töte mit dem Schwert der Begierdelosigkeit den Haifisch der Sinneslust“.  „Rotte die Lust nach fassbaren Dingen aus“, erachte Sinnesfreuden als „Gift“ und „zerstöre diese tödliche Bindung an Körper, Frau, Kinder und andere“.

„Vergeude nicht einen Augenblick mit weltlichen Dingen oder Sinnesreizen.“  „Beherrsche Deine Rede“, sei „begierdelos, verzichte auf Ehrgeiz, auf alle irdischen Hoffnungen und körperlichen Freuden“ und auf „unnötige Geschenke“. Wenn wir dies tun, „vermehren wir dadurch unsere bösen Neigungen“. Die Frucht der Leidenschaftslosigkeit ist Erleuchtung.

Bettler

Adi Shankaras Vorstellung vom Leben war das eines Bettlers, der im Wald wohnt, „ohne Reichtümer aber zufrieden“, „ohne Genuss aber in unaufhörlicher Freude“.

Unterschied zu Chopra

Auch wenn Deepak Chopra ein Anhänger von Adi Shankaras Vedanta ist und dem Gedanken, dass das Bewusstsein grenzenlos ist, könnte sein Umgang mit Wünschen und Sehnsüchten nicht gegensätzlicher sein als Adi Shankaras. Für Deepak Chopra sind unsere Wünsche ein Geschenk Gottes, für Adi Shankara „Schmutz“. Chopra betont, wie wichtig es ist, dass man sich wohlfühlt und die grenzenlose Fülle lebt. Adi Shankara hat sich hingegen als Mönch in strenger Askese vom Leben zurückgezogen. Mit Bezug auf die sanfte und mühelose Urklangmeditation spricht Deepak Chopra immer wieder davon, dass er die alte Technik modernisiert und auf unsere Zeiten angepasst hat. Vielleicht meinte Chopra damit seine Abkehr von Shankaras strengem Genügsamkeitsdenken.