Über Buddhismus

Deepak Chopra, 2007

Vor 2500 Jahren  wurde aus einem jungen Prinzen namens Siddartha zuerst Gautama, der Mönch und dann Buddha, der Mitfühlende, der die Erleuchtung verkörpert. Heute zählt der Buddhismus zu den weltlichen Philosophien, der mit seinen praktischen Übungen persönliche und gesellschaftliche Probleme lösen kann. Es folgen die Grundsätze der buddhistischen Lehren:

Die Vier Edlen Wahrheiten

  1. der Mensch leidet.
  2. Die Wurzeln des Leidens können ergründet werden.
  3. Es gibt einen Weg, dem Leiden zu entkommen.
  4. Der Weg zur Erleuchtung (marga) ist der achtfache Pfad.

Die Wurzeln des Leidens (duhkha)

Leiden entsteht durch Schmerz, Sinnesfreuden und Veränderungen. Leiden entsteht durch die fünf Ansammlungen des eingeengten „Ichs“.

Die fünf Ansammlungen des eingeengten „Ichs“

Form – Die Begrenzung des Seins auf den Körper und das Fassbare

Wenn wir Achtsamkeit üben, erkennen wir, dass sich alles ständig ändert und dass keine Form ein getrenntes Selbst hat (rupa).

Gefühl – Die Begrenzung von Empfindungen

Gefühle (vedna) sind veränderliche, nicht fassbare Gebilde.  Sie kommen und gehen und gehören nicht ausschließlich mir.

Gedanken – Dies bin „ich” oder das ist “meins” 

Gedanken (samjna) sind eine Zeit lang da und verschwinden dann wieder. Sie sind flüchtig und können sich verändern. Alle Gedanken sind Übertragungen innerer psychologischer Vorstellungen auf das Umfeld. Denken heißt bemerken, benennen, begrifflich erfassen und wahrnehmen.

Neigungen

Neigungen sind gelernte Verhaltensweisen, von denen wir uns unbewusst versprechen, dass sie uns glücklich machen. Neigungen entstehen, vergehen und ändern sich. Sie sind Teil der Saat (bijas) unserer Erinnerungen. Es gibt die Saat des Zorns, der Sinnestäuschung und Furcht. Es gibt aber auch die Saat des Mitgefühls, des Verständnisses und der Liebe, welche es zu gießen gilt.

Das Bewusstsein, dass wir von einander getrennt sind, ist der Ursprung unseres gesellschaftlichen und individuellen Denkens.

Drei  Dharma Siegel

Das Veränderbare ändert sich.

Das getrennte „Ich“ gibt es nicht.

Nirvana ist die wahre Wirklichkeit.

Die drei Dharma Siegel sind miteinander verbunden. Unveränderbarkeit entsteht aus dem Blickwinkel der Zeit. Das „Nicht-Ich“ entsteht aus dem Blickwinkel des Raumes. Nirvana ist jenseits von Raum und Zeit.

Unveränderbarkeit

Es kann etwas nur geben, weil es alles andere gibt. Aus dem Blickwinkel der Zeit ist Unveränderbarkeit ein flüchtiges Muster im Verhalten des Universums, ein nicht fassbares Feld reinen Potentials. Aus dem Blickwinkel des Raums ist das „nicht-Ich“ das fassbare Universum.

Der achtfache Pfad (der vedische Vergleichsbegriff in Klammern)

  1. Rechte Anschauung (Blickwinkel)
  2. Rechte Gesinnung ( Spontan richtiges Denken – Icha Shakti)
  3. Rechte Rede( Spontan das richtiges Wort: Saraswati, Para, Pashyanti, Madhyama, Vikhri)
  4. Rechtes Handeln (die spontan richtige Handlung: Kriya Shakti)
  5. Rechter Lebensunterhalt  (Dharma)
  6. Rechtes Streben (die auf eins gerichtete Absicht)
  7. Rechte Achtsamkeit  (Zuschauen)
  8. Rechte Konzentration  (Aufmerksamkeit)

Rechte Anschauung (Perspektive)

Alle Sichtweisen sind irreführend. Die Saat der Erinnerungen führt zu Gedanken, Worten, Handlungen und Verhalten.

Achtsamkeit (Beobachten) macht uns die Saat der Erinnerungen bewusst und legt die Aufmerksamkeit auf die förderliche und nicht hinderliche Saat. Alle Blickwinkel sind falsch. Die rechte Anschauung ist die Abwesenheit aller Standpunkte. Der richtige Standpunkt ermöglicht  “sehen” statt wahrnehmen.

Die rechte Sprache

Sprich die Wahrheit. Sprich nicht mit gespaltener Zunge. Sprich nicht grausam, schreie nicht, verleumde nicht, fluche nicht, leide nicht, schüre keinen Hass und übertreibe oder beschönige nicht. Schenke dem Zuhörer Glück und Glückseligkeit.

Höre genau zu. Das ist die Grundlage richtiger Sprache. Wenn wir nicht achtsam zuhören, können wir auch nicht richtig sprechen. Das Lotus Sutra sagt: “Siehe und höre mit den Augen und Ohren des Mitgefühls.“

Rechtes Handeln

Zeige Ehrfurcht vor dem Leben in all seinen Formen. Füge Niemandem ein Leid zu. Sei großzügig und liebenswürdig in allem, was Du tust. Iss und trink achtsam und hilf anderen.

Rechter Lebensunterhalt

Verdiene Dein Geld, in dem Du Dein Umfeld unterstützst. Wenn Du Deinen Lebensunterhalt damit verdienst, in dem Du der Umwelt schadest, Waffen herstellst, andere bestiehlst, die Umwelt zerstörst, die Natur oder andere Menschen oder Lebewesen ausbeutest, oder Gifte herstellst, ist das unredlich.

Rechtes Streben (Sorgfalt)

Übe fortwährend, beharrlich und aufmerksam.

Rechte Achtsamkeit

Gehe, atme, sitze, iss, schmecke, rieche, schaue und höre achtsam.  Achte achtsam auf Deine Gefühle und Gedanken.

Die 7 Wunder der Achtsamkeit (smriti)

Erinnere Dich daran, zur Gegenwart zurückzukehren.

  1. Sei in diesem Augenblick vollkommen gegenwärtig
  2. Mach Dir das, worauf Du das Bewusstsein richtest, gänzlich gegenwärtig in diesem Augenblick.
  3. Unterstütze das, worauf Du Deine Aufmerksamkeit richtest, vollauf.
  4. Wünsche Dir, das Leiden zu lindern oder es zu beenden.
  5. Schaue tief in Dich und den anderen hinein (Vipassana).
  6. Verstehe und erkenne.
  7. Verwandle Dich.

Rechte Konzentration (Aufmerksamkeit)

Es gibt zweierlei Formen von Konzentration:

Aktive Konzentration

Richte die Aufmerksamkeit auf das, was jetzt ist und siehe die Fülle in jedem Augenblick, auch wenn sich der Augenblick verändert. Was kommt, kommt. Verweile im gegenwärtigen Augenblick mit Deinem ganzen Sein. Wenn das, worauf Du Dich konzentriert hast, verschwunden ist, bleibt der Geist klar, wie ein ruhiger See.

Fokussierte  Konzentration

Konzentriere Dich auf etwas und blende alles andere aus. Die rechte Konzentration zeigt, dass sich alles ständig ändert, es kein „Ich“ gibt und wir alle miteinander verbunden sind. Erde, Wasser, Luft, Feuer, Raum, Zeit, nichts und das, was wir wahrnehmen, sind nur im Zusammenhang mit allem anderen zu verstehen. Nichts kann für sich allein sein.

Konzentrationsübungen

Konzentriere Dich auf das, was sich verändert. Immer wenn Du auf einen Gegenstand oder einen Menschen blickst, erachte ihn oder sie als veränderlich und tu dein bestes, diesen Menschen glücklich zu machen.

Konzentration auf das Nicht-Ich

Berühre die Natur des inneren Seins in allem, was Dir begegnet. Zum Beispiel ist in einem Tisch der Wald, die Erde, der Regen, der Sonnenschein, die Leere des Raums, der Staub der Sterne, ein Holzfäller, seine Herausforderungen, sein Leben, seine Liebe, seine Hoffnungen und Träume und die all seiner Beziehungen zu finden. Ein Tisch steht für das ganze Universum. Rechte Konzentration führt dazu, dass wir sowohl die eingeschränkte als auch die uneingeschränkte Wahrheit würdigen. Die eingeschränkte Wahrheit ist beispielsweise, dass eine Blume eine Blume ist und ich ein Mensch bin. Die uneingeschränkte Wahrheit hingegen ist, dass eine Blume das Universum ist und ich das grenzenlose Sein.