Yogawege

Ein Überblick über Jnana Yoga, Bhakti Yoga, Karma Yoga und Raja Yoga. Lesen Sie „Hast Du einen Korallenbaum?“ für einen Überblick von Yogas in der vedischen Astrologie. 

Machen Sie auch „Yoga“? Was die meisten Menschen mit Yoga in Verbindung bringen, sind Asanas, was „ruhige Körperstellungen“ im Sanskrit heißt.  Der Sinn der Asanas, die ganz konkret erst  in der Hatha Yoga Pradipika, einem Text aus dem 15. Jahrhundert, beschrieben wurden, ist den Körper für fassbare und spirituelle Ziele zu kräftigen, ihn beweglicher zu machen und auf die Meditation vorzubereiten. Die bekanntesten Formen von Hatha Yoga, wie man diese Körperübungen nennt, sind zum Beispiel Iyengar Yoga, Sivananda Yoga, Kundalini-Yoga oder Ashtanga (Vinyasa) Yoga und viele andere.

Die philosophischen Grundlagen von Yoga wurden in den Veden beschrieben, besonders in den Upanischaden, der Bhagavad Gita und den Yoga Sutren Patanjalis. Die Veden sind die 5000 Jahre alten Lehren der Rishis, der Weisen Indiens, die sich neben Yoga auch mit Ayurveda, der Gesundheitslehre, Vastu, der Architektur, Jyotish, der Astrologie und auch der Philosophie befassen.

Krishna und Arjuna auf dem Wagen, Mahabharat 18. – 19. Jhdt. Gemeinfrei

 

Der Begriff „Yoga“ bedeutet ursprünglich die Vereinigung von Körper, Geist und Seele. Im Yoga ist unser Wille und der Wille des Universums dasselbe. Der Mensch ist ein Reisender in einer Kutsche, die von 5 Pferden gezogen wird. Der Kutscher ist der Verstand, die 5 Pferde sind die Sinnesorgane, der Fahrgast ist die Seele und das Geschirr ist das „Yoga“. Yoga (Geschirr), bringt Körper (Kutsche), Geist (Kutscher) und Seele (Fahrgast) in Einklang. Um diesen Einklang zu finden und um sich von den Zwängen des Lebens zu befreien,  beschreibt die vedische Lehre 4 Wege: Hingabe („Bhakti Yoga“), Erkenntnis („Jnana Yoga“), Pflichterfüllung („Karma Yoga“) und Meditation und Körperübungen („Raya Yoga“).

Jnana Yoga

Jnana Yoga ist das Streben nach Erkenntnis und Wahrheit, der Pfad der intellektuellen Analyse und Forschung.  Der Jnana Yogi fragt sich „Wer bin ich?“,  „Woher komme ich?“,  „Wohin gehe ich?“ oder „Was ist der Sinn des Lebens?“ Erkenntnis finden wir, indem wir zuhören, (Shravana) durch Unterricht, im Zusammensein mit anderen oder einem Lehrer (Satsang). Die Aufgabe ist, über das Gelernte nachzudenken, es zu verinnerlichen, zu meditieren und uns von Weltlichem loszulösen. „Avidya“, Unkenntnis, gilt als die Wurzel aller Probleme. Es geht nicht um theoretische Gelehrsamkeit oder Detailwissen, sondern um das Erlangen von Weisheit. Die Fallen auf diesem Weg sind Arroganz, intellektuelle Ablenkungen und Entfremdung vom ursprünglichen Ziel.

Die Erkenntnis in Adi Shankaras Vedanta ist, dass wirklich nur das ist, was sich nicht ändert. Das wirkliche Ich,Atman“ und die wirkliche Welt, „Brahman“, sind unveränderbar. Das wirkliche Ich ist unvergänglich, unsterblich, unendlich, ewig, unberührt von äußeren Veränderungen, ohne Anfang, ohne Ende, grenzen- und raumlos, frei von Ursache und Wirkung, das reine Sein. Alles, was veränderbar ist, ist „Maya“, eine Illusion. Unwissenheit lässt uns glauben, dass wir unser Verstand, Aussehen, unsere Wünsche, Errungenschaften, Titel, Berufe, Bankkonten oder Beziehungen sind. All diese Illusionen sind nicht „Brahman“.  Was wir wirklich sind, wird in dem Mantra „Aham Brahmasmi“  was „Ich bin das Universum“ bedeutet, verdeutlicht.  Unser Sein ist die wahre Wirklichkeit, die Wurzel und Quelle des Universums und von allem, was besteht. Daraus folgt „Tat Tvam Asi“, alles, was Du siehst, bist Du selber.

Bhakti Yoga

Bhakti Yoga ist die liebenden Hingabe zu Gott, einem Partner, oder Guru, zu Eltern oder Freunden. Dies ist der Weg der Beziehung und Gefühle.  Der Mensch gibt sich dem anderen hin wie ein Diener, Freund, Kind oder wie ein Liebhaber. Bhakti Yogis beten, singen Mantren oder wirken an einem gemeinnützigen Zweck mit.Vereinigung mit Gott ist möglich, in dem wir göttliche Namen oder Mantren denken, flüstern, murmeln oder sprechen (Japa), sie gemeinsam singen (Bhajan), mit einem Vorsänger (Kirtan) oder indem wir ein Bild der Gottheit mit Früchten, Reis und Kerzenlicht verehren (Puja) und gute Dienste tun (Seva). Singen schenkt Glückseligkeit, „Ananda“ und ist wie in das große Meer der Liebe eintauchen. Die Fallen dieses Wegs sind Abhängigkeit und Selbstmitleid.

Karma Yoga

Karma Yoga besteht darin, seine Pflicht mit Freude zu tun und selbstlos zu handeln,  unabhängig  von persönlichen Neigungen und davon, wie das Ergebnis aussieht. Anstatt allem zu entsagen oder seinen eigenen Zielen nachzugehen, begreift der Karma Yogi sein Schicksal als Chance und handelt frei von seinen Wünschen und Anhaftungen und befreit sich dadurch.

Wenn wir Spontan und losgelöst handeln, ohne Eigennutz, frei von persönlichem Verlangen und unabhängig von den Früchten unseres Wirkens sind wir ein Werkzeug Gottes. Wir sehen das, was wir tun als einen Dienst an der Menschheit an. Wir haben keine Angst, denn wir  haben keine Sorgen. Gebete, Meditation oder Tempelverehrung sind nicht erforderlich.

In der Bhagavad Gita lehrt Krishna, unsere Anhänglichkeit aufzugeben und unabhängig von Erfolg und Misserfolg selbstlos zu handeln und ungebunden an Ergebnisse jede Handlung Gott zu widmen. Die Fallen auf diesem Weg sind Verantwortungslosigkeit.

Raja Yoga

Raja Yoga besteht aus Übungen, die das Bewusstsein nach innen führen, die Koordination von Körper und Geist verbessern und Klarheit, Lebensfreude und Ausgeglichenheit schenken.  Raja Yoga Übungen sind Meditation, Körperübungen (Asanas, Hatha Yoga) ,Atemübungen („Pranayama“), Handgesten (Mudras), Körpersperren (Bandhas), Kriya Yoga,  Mantrenrezitationen, oder Kundalini Yoga, um die Chakren, die Energiezentren des Körpers und die Nadis, den Fluss aus Information und Energie, zu beleben und die Lebensenergie an der Wirbelsäule entlang aufsteigen zu lassen. Diese Übungen erfordern Konzentration, Disziplin, Enthaltsamkeit und Hingabe. Sie haben das Ziel, den Körper so zu kräftigen und in Bewegung zu bringen, dass er möglichst beschwerdefrei über einen längeren Zeitraum in der Meditation sitzen kann. Objektivität, Eigenbestimmung, gesunde Lebensführung und vegetarische Ernährung sind im Raja Yoga wichtig.

Normaler Weise wird  Raja Yoga mit dem achtgliedirgen Pfad des Ashtanga Yoga gleichgesetzt:

(1) Yama – Gesellschaftliche Verhaltensempfehlungen

Handle ohne Rückstände zu hinterlassen (Kriya Shakti). Die Tugenden sind Freundlichkeit und Gewaltlosigkeit (Ahimsa), Wahrhaftigkeit (Satya), nicht stehlen (Asteya), verantwortungsvoller Umgang mit Sex bzw. Enthaltsamkeit, bzw. Beziehungen nur zur spirituellen Weiterentwicklung (Brahmacharya), loslassen, großzügig sein und nicht horten (Aparigraha).

(2) Niyana – Persönliche Verhaltensempfehlungen

Gedankliche Reinheit und körperliche Fitness (Sauca), Akzeptieren, dass alles einen Sinn hat (Santosa), Fokussierung seiner Energie für Selbstverwirklichung (Tapas), Selbsterkundung (Svadhyaya), sein Handeln einer höheren Macht oder einem Gott seiner Wahl zu Füßen legen (Isvarapranidhana)

(3) Asanas – Körperübungen Handgesten (Mudras) und Körpersperren (Bandhas),

(4) Pranayama – Atemübungen

Pranayama bedeutet, „Prana“, die Lebenskraft zu meistern.

(5) Pratyahara –  „weg vom Essen“

Die Sinne von der Außenwelt zurückziehen und fasten, , das Vermeiden von Ablenkungen, um bewusster hören, berühren, sehen, schmecken und riechen zu können.

(6) Dharana – Aufmerksamkeit, Absicht und Konzentration

Absichten haben grenzenlose Organisationskraft. Das, worauf Du Deine Aufmerksamkeit richtest, nimmt mehr Raum im Leben ein.

(7) Dhyana – sein, den inneren Betrachter entdecken

Der innere Betrachter ist das Unveränderbare und Unzerstörbare in uns.

Wir finden ihn durch Meditation und  in dem wir lernen, unsere Wahrnehmungen zu beobachten, ohne darauf reagieren zu müssen.

(8) Samadhi – eins sein

Jenseits von Raum und Zeit, Vergangenheit und Zukunft, frei von Furcht und Ernst, sind wir eins mit allem, sat-chit-ananda, ewige, grenzenlose Glückseligkeit.

Der fassbare Körper wird durch Asanas geweckt,  der unscheinbare , gedankliche und emotionale Körper durch Pranayama, Pratyahara und Dharana und der ursächliche Körper, die Seele durch Dhyana, Meditation und Samadhi.

Vivekananda lehrte, dass der beste Weg eine Mischung aus Bhakti, Jnana, Karma und Raja Yoga ist, wobei man den Weg, den einen am meisten anspricht, betonen kann.

Mehr zu diesem Thema in „Die 7 geistigen Gesetze des Yoga“ von Deepak Chopra und David Simon.

Das Chopra Center steht in Verbindung mit den vedischen Traditionen Indiens und dem Shankaracharya von Jyotir Math, dem Swami Vasudevananda Saraswati Maharaj