Zum Gedenken an meinen Freund Michael Jackson

Deepak Chopra

Juni 2009 – Aus dem Amerikanischen übertragen von Dr. Joachim Schneider mit Erlaubnis von intent.com

Originalartikel in Englischer Sprache mit einem sehr schönen Bild von Michael Jackson und Deepak

Michael Jackson wird wohl als zerbrochene Ikone in Erinnerung bleiben, ein Pop Genie, der als Mutant des Ruhmes sein Ende fand. So werde ich über ihn allerdings nicht denken. Mit dem Rätselhaften und Überschwänglichen in ihm, dem schier erdrückenden Weltruhm, seiner Isolation und  Einsamkeit war ich eng vertraut.

Seit 20 Jahren beobachte ich jede dieser Facetten und so leicht es war, Michael zu mögen und ihn beschützen zu wollen, schien sein plötzlicher Tod gestern nahezu vom Schicksal bestimmt.

Zwei Tage vorher rief er mich guten Mutes und ganz aufgeregt an. Auf dem Anrufbeantworter sagte er, „Ich habe wirklich gute Nachrichten, die ich dir mitteilen möchte.“  Er hatte ein Lied über die Umwelt geschrieben und wollte, dass ich ihm unverbindlich mit dem Text helfe, wie wir es zuvor schon mehrmals getan hatten. Als ich jedoch zurückrief, hieß es „kein Anschluss unter dieser Nummer“. Unkurierbar verschreckt von der Art und Weise, wie die Presse mit ihm umgegangen ist, änderte er häufig seine Telefonnummer.  Ich konnte ihn daher nie mehr erreichen, und die Musikdemo, die er mir schickte, liegt auf meinem Nachttisch als bitteres Symbol  eines nicht zu Ende gebrachten Lebens.

Als wir uns 1988 kennen lernten, war ich von der Mischung aus Charisma und Verletztheit, die ihn umgab, sofort beeindruckt.  Er konnte von Scharen von Menschen am Flughafen umschwärmt werden, ein dreistündiges, erschöpfendes Konzert geben, und danach, wie in der einen Nacht in Bukarest, als ich dazukam, hinter der Bühne sitzen, Wasser aus einer Plastikflasche trinken, einen Blick auf ein Sufi Gedicht werfen und den Wunsch haben, zu meditieren.

Dieser Mensch, den ich, auf die Gefahr hin, mich der Lächerlichkeit Preis zu geben, für sehr rein hielt, überlebte immer noch. Als wir uns vor zwei Wochen das letzte Mal unterhielten, las er gerade die Gedichte von Rabindranath Tagore. Michael verkörperte beispielhaft diesen Widerspruch vieler berühmter Künstler, die im Grunde genommen schüchtern und introvertiert sind. Wenn er mich zuhause besuchte, verbrachte er den Großteil des Abends für sich in einer Ecke mit seinen kleinen Kindern. Wenn er mit ihnen zusammen war, sah ich immer nur einen liebevollen Vater. Wie jeder andere, der ihm nahe stand, fragen wir uns natürlich, was jetzt nach diesem Schicksalsschlag aus ihnen wird.

Michaels Abneigung gegen das Erwachsen werden, war ein anderer Teil dieses Widerspruchs. Meine Kinder verehrten ihn, und er reagierte auf kindliche Weise darauf. Wie andere Kinderstars fühlte auch er sich seiner Kindheit beraubt.

Verglichen mit dem schrecklich übertriebenen Stellenwert, den unsere Gesellschaft  Berühmtheit beimisst, und mit der sie Michael uneingeschränkt überschüttet hat, war die Öffentlichkeit seinem persönlichen Schmerz gegenüber herzlos.

Dieser Schmerz wurde zum geschmacklosen Wesenszug des Boulevard-Jackos, der als sonderbarer Changeling* und noch düsterer porträtiert wurde.

Es steht mir nicht zu, über die Probleme zu urteilen, die Michael aus seiner Vergangenheit geerbt hat, und die sich dann durch seinen fehlgeleiteten Lebensstil verschlimmerten. Er war von Menschen umgeben, die diesen Lebensstil zuließen und ermöglichten, einschließlich einer beschämenden Anzahl an Medizinern in Los Angeles und anderswo, die ihn mit Arzneien versorgten. Auch wenn er oft ehrlich zugab, dass er Probleme hatte, wich er am Ende eines Gesprächs immer verdrängend aus. Während ich diesen Absatz schreibe, werden Berichte über Drogenmissbrauch in den Cable News Channels verbreitet. Sobald ich von seinem Tod heute Nachmittag hörte, hatte ich dieses unwohle Gefühl, dass verschriebene Medikamente dabei eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Am nahesten kamen wir uns vielleicht, als Michael ein Buch brauchte, das er vor allem als Konzertsouvenir verkaufen wollte. Es sollte Bilder für seine Fans und einen Text aus kurzen Fabeln enthalten. Wir saßen stundenlang zusammen, während er träumerisch Aesop-ähnliche Geschichten über Tiere erfand, vermischt mit Worten über Musik und seiner Liebe für alles, was mit Musik zu tun hatte. Als Freundschaftsdienst half ich ihm, den Text zusammenzustellen, und so wurde aus diesem Projekt  „Dancing the Dream“. In dieser gemeinsamen Zeit wurde mir klar, warum er auf seine Art lebte: Um die Stresslawine, die Mega-Ruhm mit sich bringt, zu bewältigen, schuf er sich eine private Zuflucht in eine Fantasiewelt, in der rosa Wolken seinen inneren Schmerz zudeckten und Peter Pan ein Held und keine pathologische Störung war.

Auch wenn er keine Mühen scheute, diese Scheinwelt aufrecht zu erhalten, wurde diese allmählich unerträglich. Uneingeschränkte Privilegien waren ein weiteres starkes Gift, das ihm zum Verhängnis wurde. Seine Exzentrik, Schüchternheit und Verletzlichkeit nahmen durch einen Gesundheitswahn, Sicherheitsparanoia und ein sich krankhaftes Abkapseln verheerende Ausmaße an. Als Michael mir die Musik für dieses letzte Lied übermittelte, welches auf meinem Nachttisch liegt und auf die richtigen Worte wartet, kam das Prozedere, die CD zu mir zu schaffen, an Verschwiegenheit einem Geheimeinsatz des CIA gleich.

Meine Erinnerung an Michael Jackson wird so vielschichtig und verworren sein, wie die jedes anderen. Seine engsten Freunde werden zusammenrücken und alles in ihrer Macht stehende tun, damit das Gute in ihm weiterlebt.  Wer weiß, ob es uns gelingen wird, ihn nach so vielen Jahren der Medienverfälschung zu retten.  An seiner Stelle wollte ich hier nur auf ein paar Dinge hinweisen. Als Siebzehnjähriger begleitete mein Sohn Gotham Michael als Roadie auf seiner „Dangerous“ Tournee.  Ist es von Bedeutung, dass Michael sich meinem Sohn gegenüber immer verantwortungsvoll und zuvorkommend verhielt? Mir läuft ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, was er zu Gotham damals sagte: „Ich will nicht so gehen wie  Marlon Brando. Ich will so gehen wie Elvis.“ Beide Ikonen waren für Ihn Kultfiguren.

Das Kindermädchen und die Ersatzmutter seiner Kinder, Grace Rwaramba, ist wie eine Tochter für mich. Ich stellte die mittlerweile Erwachsene Grace Michael damals vor, als sie ein hübsches und herzliches, achtzehnjähriges Mädchen aus Ruanda war. Sie passte für mich auf ihn auf und rief mich an, wenn er deprimiert war oder dem Abgrund zu nahe kam. Es bricht Grace das Herz, dass kein noch so großer Beschützerinstinkt, und ehrliche Fürsorge diesen tragischen Tag verhindern konnten. Vor einer Stunde rief sie von London aus weinend an. Gerade deshalb konnte ich nicht umhin, die Trauer kurz in Worte zu fassen. Sobald der Schock sich gelegt hat und tausend öffentliche Stimmen von Michaels großartigem, freudigem, umkämpftem, rätselhaftem und bizarrem Leben schreiben, ist es meine Hoffnung, dass  „freudig“ das Wort ist, das aus der Asche entsteht und so erstrahlt, wie er es einst tat.

* Anmerkung des Übersetzers: Ein Changeling kann ein Formwandler oder wankelmütiger Mensch sein aber auch ein untergeschobenes oder verwechseltes Kind. In der Märchenwelt ist es ein Elfenkind, das mit einem Menschenkind absichtlich vertauscht wurde, ein Wechselbalg.

© Copyright 2009  Aus dem Amerikanischen übersetzt von Dr. Joachim Schneider, Mit ausdrücklicher Erlaubnis von www.intent.com

Dr. Schneider ist ein von Deepak Chopra zertifizierter Meditationslehrer

© Copyright 2009

2 comments to Zum Gedenken an meinen Freund Michael Jackson

  • Wir wenden uns mit einem besonderem Anliegen an Sie.
    Weil wir es ganz besonders bei Ihnen
    als Freund von Michael Jackson in besten Händen
    wissen.
    Bitte helfen Sie uns bei dem Kampf gegen die Ausstrahlung
    der Bashir Doku mit ihrer Unterschrift und vielleicht haben Sie ja noch viele Mitstreiter….
    ein großer Personenkreis, der sich für das Andenken und die Anerkennung der künstlerischen und der wohltätigen Leistungen von Michael Jackson einsetzt (speziell aus dem Forum http://www.mjjackson-forever.com)
    möchte aufmerksam machen auf eine Petition, die speziell gegen die Ausstrahlung der Bashir – Dokumentation \“ Living with Michael Jackson \“ gerichtet ist.

    Es ist allgemein bekannt, dass Michael Jackson von Martin Bashir betrogen und hintergangen wurde, indem dieser die Dokumentation ohne sein Einverständnis bearbeitet und so geschnitten und kommentiert hat, dass eine äußerst verleumderische und lügenhafte Darstellung seiner Person dabei herauskam. Dies hat Bashirs Cutter später vor Gericht im Zeugenstand bestätigt.

    Die Bashir-Dokumentation zeigt nicht nur ein absolutes falsches Bild vom Leben Michael Jacksons, sondern hat darüber hinaus sogar zu dem Prozess von 2005 geführt in dem sich Jackson wegen Belästigung von Kindern verantworten musste, er aber in ALLEN ANKLAGEPUNKTEN freigesprochen wurde und sich somit herausstellte, dass er ABSOLUT unschuldig war.

    Jahrelang war Michael Jackson das Opfer sensationsorientierter und unethischer Darstellung seiner Person in den Medien. Nirgends wurde das Augenmerk auf das humanitäre Lebenswerk von Michael Jackson gerichtet. Im Jahr 2000 wurde er in das �Guinness Buch der Rekorde� als der Entertainer oder die berühmte Persönlichkeit eingetragen, der oder die am meisten Wohltätigkeitsorganisationen unterstützt. Er spendete mehr als 300 Millionen Dollar an arme und unterprivilegierte Menschen sowie an unzählige Wohltätigkeitsorganisationen. Für sein vielfältiges soziales Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet und für den Friedensnobelpreis nominiert.

    Trotz vielfacher Fanproteste gegen die Ausstrahlung der Dokumentation von Martin Bashir �Living with Michael Jackson� im deutschen Fernsehen, wird nach wie vor diese verleumderische Darstellung der Person Michael Jacksons immer wieder gesendet.

    Wir sagen JETZT IST ES GENUG damit, Herrn Michael Jackson selbst nach seinem Tode weiterhin zur Zielscheibe von sensationsorientierten Medien zu machen.

    Unser Ziel ist eine korrekte Darstellung der Person Michael Jackson und eine weitere Duldung der Bashir-Dokumentation spricht entschieden dagegen. Wir setzen uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür ein und bitte Sie auf diesem Wege, unser Vorhaben zu unterstützen, indem Sie auf Ihrem lokalen Radiosender auf unsere Petition aufmerksam machen. http://www.gopetition.com/petitions/michael.html

    Mit freundlichen Grüßen
    Mona Schwieren und alle Menschen, die für die Gerechtigkeit für Michael Jackson kämpfen
    ——————————————-

  • Das ist eine sehr schöne und unbedingt notwendige Idee. Das werde ich gern unterstützen. Anke Koch

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